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An der Brück´ fand er sein Glück

Menschen sind, seit sie diese Erde bevölkern, auf der Jagd nach dem Glück. In der Welt der Sage brauchst du nur ein ehrlicher, anständiger Kerl zu sein, vielleicht gar ein Sonntagskind und die Geister stehen dir hilfreich zur Seite, wie jenem Brunnenputzer aus Alsenborn, dem des Nachts im Träume der entscheidende Hinweis gegeben wurde.

Dreimal hintereinander vernahm er die Aufforderung: „gehe zur Brück´. Dort liegt dein Glück“. So schnürte er denn sein Ränzel und machte sich auf den Weg zur Schiffsbrücke bei der Rheinschanze. Weil er ein lustiger Bursche war, trällerte er ein Lied nach dem anderen und so kam ihm der weite Weg gar nicht so weit vor. Er wusste, dass ihm am Ziel das Glück hold sein werde, denn von jenem Wort, dass Träume Schäume seien, hielt er nicht viel. Wie staunte er, als er des Stromes breiten, geruhsamen Lauf sah. Dort an der Brücke erkannte er einen Soldaten, das Gewehr geschultert, am Schlagbaum stehen. Der blickte nicht gerade freundlich dem Ankömmling entgegen. Ob so das Glück dreinblickt? Der Brunnenputzer begann zu zweifeln. Sollte die schöne Laura, des Lammwirts Töchterlein im heimatlichen Dorf, doch recht haben? Sie hatte ihn ausgelacht, als er von seine Träumen erzählte und ihn einen Narren gescholten. Ihr wäre viel lieber gewesen und ihr Vater hätte es gerne gesehen, wenn der Brunnenputzer bei einem Metzger in die Lehre gegangen wäre, denn eine Wirtschaft und eine Metzgerei unter einem Dach mussten zu Reichtum führen. Doch da war auch noch die Besenbinder-Liesel. Sie ermunterte den Brunnenputzer, den Weg zur Rheinschanze unter die Füße zu nehmen.

Solcherlei Gedanken jagten ihm durch den Kopf, als er den bärbeißigen Soldaten erblickte und nicht mehr so recht den Mut fand einen Fuß vor den anderen zu setzen. Doch da fauchte ihn auch schon der Wächter an der Brücke an: „Was wollt ihr hier“? Dem Brunnenputzer fiel das Herz in die Hosentasche, doch der Gedanke an Liesel richtete ihn wieder auf und er erzählte von seinen Träumen. Der Soldat lachte aus vollem Halse, wurde dann aber nachdenklich: „Auch ich habe geträumt“, brachte er stockend hervor, „von einem großen Schatz. Er soll unter drei Holunderbüschen beim Diemerstein vergraben liegen. Ich habe aber in meinem ganzen Leben noch nie etwas von einem Diemerstein gehört. Was weiß ich, wo er liegt“. Der Brunnenputzer wusste um jenen Ort, denn die Gegend um Frankenstein war ihm wohlbekannt. Sollte die Aussage des Soldaten tatsächlich zu jenem Glück führen, das er an der Brücke zu finden hoffte? Er klopfte dem Landsknecht auf die Schulter, murmelte ein Abschiedswort und enteilte.

Mit langen Schritten, das neue Ziel vor Augen, hoffend, dass nunmehr sein Traum in Erfüllung ginge, lief der Brunnenputzer durch Ebene und Waldgebirge hin zum Diemerstein. In seinen Gedanken hatte die schöne Laura keinen Platz mehr. Zusammen mit der Besenbinder-Liesel wollte er, so er den Schatz gefunden hätte, ein Leben gemeinsam und ohne Not führen.

Geduldig wartete der Brunnenputzer die Nacht ab, ehe er am bezeichneten Ort die Schaufel ansetzte. Schon bald stieß er auf einen großen Steintopf, der ganz mit Gold- und Silberstücken angefüllt war. Nun brauchte die Liesel keine Besen mehr zu binden und der Schatzgräber keinen Brunnen mehr zu putzen. An der Brück´ fand er sein Glück.

Quelle: Gemeindearchiv Frankenstein

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