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Gruseliges aus dem Pfälzerwald

„Alte Glashütte“ und „Diebskeller“ bei Frankenstein - Aus dem Feierowend vom März 1951

Vom „Schafunter“, einer alten Waldgewanne bei Frankenstein, führt ein herrlicher Weg zur „Alten Glashütte“, wo einst helles Glas hergestellt wurde. Später erstand da ein Forsthaus, das den Namen „Alte Glashütte“ behielt und weiterführte. Hier wohnt der Förster Nahm, ein gar wilder und harter Mann. Knechte und Mägde sagten ihm bald Ade. Es gefiel ihnen nicht. Selten war Nahm zu Fuß zu sehen. Auf einem Schimmel durchjagte er seinen Forstbezirk. Jedem Holzfrevel konnte er so leicht begegnen und der Hass der Armen war groß.

Nach seinem Tode erzählten die Leute: „Nachts reitet der Förster Nahm auf einem Schimmel durch den Wald und hält seinen Kopf unter dem Arm“.

Nahms Nachfolger brachte neues Gesinde mit. Als es hörte, wie eines abends urplötzlich das Geschirr vom Küchenschrank herunterpolterte, glaubte es an einen Spuk und verließ andertags die Arbeitsstätte; nur einer blieb seinem Herrn treu. Am folgenden Abend saß der Förster mit den Seinen im Wohnzimmer. Sie lasen und trieben Kurzweil. Vor dem Schlafengehn begab sich die Försterfrau in die Küche, um den Herd einzuräumen. Wie sie eintrat, sah sie am Tisch eine kopflose Person, die eifrig mit der Gänsefeder auf Papier schrieb. Augenblicklich erloschen die Kerzen. Die geängstigte Frau schrie um Hilfe und sank schließlich ohnmächtig zusammen. Als sie wieder erwachte, schluchzte sie: „Der böse Förster Nahm war dagewesen“.

Von nun an hielts keiner mehr auf der Glashütte. Die oberste Forstbehörde ließ das Haus abreißen. Im Jahre 1890 wurde dem Förster das Dorf Frankenstein als Dienstsitz angewiesen. Die einstige Küche ist noch erhalten und dient heute als Jagd- und Schutzhütte. Alljährlich trifft sich hier jung und alt aus der Umgebung zu einem feuchtfröhlichen Waldfest.

***

Eine Stunde von Frankenstein, am Fuße des Kellerberges, ist eine Felsenhöhle. Räuber hielten sich hier versteckt. Sie lauerten den Vorbeigehenden auf, schleppten sie in ihre Höhle, nahmen ihnen die Habe weg und töteten die Unglücklichen. Niemand wusste etwas von dem gefährlichen Treiben dieser „Schinderhannesbande“.
Zwei Spaziergänger begaben sich nach Hertlingshausen. Da kollerte vom Kellerberg ein Menschenschädel. Nichts Gutes ahnend, eilten die Wanderer nach Frankenstein zurück, Hilfe heischend.

Der Wald wurde abgesucht. Hinter einer künstlichen Mooswand fand einer eine Höhle. Was war da drin? Geraubte Kleidung, Waffen und Leichenteile. Die Diebesbande hatte sich schleunigst aus dem Staube gemacht und kam nicht wieder. Seitdem heißt die Höhle „Diebskeller“.
Noch jetzt sind am Eingang der Höhle die Vertiefungen zu sehen, worin die Türangeln befestigt waren.

„Alte Glashütte“ und „Diebskeller“ sind nun Wanderziele der Ausflügler und Touristen, denen es nicht mehr gruselt, wenn sie am Orte die unheimlichen Sagen vernehmen.

E. Fraenger


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