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Die Invasion der Kurpfalz nebst Frankenstein durch die Truppen des Marquis A. Spinola 1620/1621

Von Gerhard Michel

Der Marquis Ambrosius Spinola (1569 – 1630) entstammte einer alten Genueser Bankiersfamilie. Der Umgang mit Geld schien ihn nicht zu befriedigen und somit wandte er sich dem Kriegshandwerk zu.

Im Jahr 1604 begründete er mit der Einnahme der Stadt Ostende seinen militärischen Ruhm. In Anerkennung seiner Waffentaten ernannte ihn sein Dienstherr, der spanische König, 1606 zum Sonderbevollmächtigten der belgischen Provinzen. Der Beginn des 30 jährigen Krieges 1618 förderte die Karriere des ehrgeizigen Genuesers dahingehend, dass er im Mai 1620 den Oberbefehl über die pfälzische Invasionsarmee erhielt. Für Ausrüstung und deren Unterhalt wurden am 31.01.1620 vorerst gesamt 1 600 000 Dukaten veranschlagt. Kosten die das Herzogtum Mailand und das Königreich Neapel, beides spanische Provinzen, zu tragen hatten.

Die Aufstellung der aus ungefähr 21000 Fußsoldaten nebst 5000 Reitern bestehenden Armee erfolgte in den spanischen Niederlanden. Das neue Heer war im Hinblick seiner Zusammensetzung sehr heterogen. Hierin dienten Spanier, Italiener, Burgunder und Wallonen zusammen mit Deutschen. Auf wiederholtes Drängen des spanischen Königs war das Heer im Juli 1620 endlich marschbereit. Als Hauptstützpunkt, der sich von Norden her dem kurpfälzischen Territorium nähernden Invasionsarmee, wurde Ingelheim am Rhein ausgewählt. Im August 1620 traf A. Spinola bei der Truppe in Koblenz ein. Der Feldzug der so viel Not und Verwüstung über die Pfalz und Frankenstein bringen sollte wurde eröffnet.

Der Verlauf der kriegerischen Ereignisse in dieser Region fand ihre publizistische Wiedergabe, analog moderner Kriegsberichtserstattung, in Form von Flugblättern. Die max. Auflage der Drucke beschränkte sich auf 300 Stück. Der Ablauf des Feldzuges ist gut rekonstruierbar an Hand der einzelnen erhaltenen Exemplare. ( W. Reininger/K. Stopp, Wahrhaftige Abbildung derjenigen Schlösser und Flecken welche Ambrosius Spinola in der Churpfalz am Rhein eingenommen im Jahre 1620/1621).

Da verschiedene Werkstätten an der Herstellung der Drucke beteiligt waren, ergaben sich unterschiedliche Darstellungen der eroberten Burgen und Städten. Der Aufbau der einzelnen Blätter folgt großteils in Form einer Spirale (Schnecke), auch „Spinolaspirale“ bezeichnet. Dem Drucker des Blattes war somit die Möglichkeit gegeben, den Fortgang des Feldzuges, durch hinzufügen einer weiteren Kartusche schnellstmöglich zu aktualisieren. Bei den auf den Flugblättern wiedergegebenen Ansichten der eroberten befestigten Plätze, darunter u.a. auch das als Nr.17 erwähnte Schloss Frankenstein, handelte es sich meistens um erstmalige Darstellungen dieser Orte. Ausgehend von der Annahme einer chronologischen Weiterverfolgung des Eroberungszuges, finden zwischen 24 bis 102 Orte, auf dem von W. Reininger zusammengetragenen Konvolut, aus 21 Flugblättern, Erwähnung. Die Möglichkeit einer datumsmäßigen Zuordnung beschränkt sich auf etliche Angaben innerhalb der jeweiligen Kartusche oder Textpassage. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Katholiken dem gregorianischen, die Protestanten dem julianischen Kalender folgten.

Bereits auf dem von W. Reininger mit 1.1 bezeichneten Stich ist Schloss Frankenstein an 17. Stelle aufgeführt. Demnach müsste die Eroberung der Feste schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt des Krieges z.b. Sept./Okt. 1620 statt gefunden haben. Die Kartusche mit der Burg ist insgesamt 20 mal wiedergegeben. Unterschiedliche teils idealisierte Kupferstiche der Burg lassen jedoch unschwer die Konturen der heutigen Ruine erkennen.

Es handelt sich hierbei um die älteste bekannte Darstellung des Schlosses. Sehr wahrscheinlich fand eine kampflose Übergabe der unbeschädigten Burg statt. Die Spanier legten, möglicherweise, wie üblich, eine kleine Besatzung in die Feste um ihren Tributforderungen Nachdruck zu verleihen. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde die Feste stark beschädigt. Der Griff nach der böhmischen Königskrone durch Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (1596 – 1632) endete in einem Fiasko, von den ca. 500000 Einwohnern der Pfalz überlebten nur ungefähr 43000 den Krieg.

Quellenhinweis:

Engler Anna: „Die Spanier in der linksrheinischen Pfalz 1620 – 1632“. Mainz 1971

Reininger Wolfgang: „Wahrhaftige Abbildung derjenigen Städte Schlösser und Flecken welche Ambrosius Spinola in der Churpfalz am Rhein eingenommen im Jahr 1620 und 1621“

Zbinden Karl: „Die Pfalz als Ziel und Etappe der Schweizer Auswanderung.“

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