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Der Schatz im Schloss ( Gerhard Michel und Willi Walther )

Die an der alten Grenze der Diözesen Worms und Speyer errichteten Burg Frankenstein gilt als eine der ältesten des Pfälzerwaldes. Bis in die heutige Zeit hinein ranken sich um diese steinernen Zeugen der Vergangenheit viele Märchen und Sagen. Die meisten dieser Legenden entsprangen der Fantasie der an tiefster Armut lebenden Dorfbevölkerung und wurden von einer Generation zur nächsten mündlich überliefert. In Frankenstein blieb die Mähr von einem unterirdischen Gang, der zu einem Schatz tief unter der Burg führen sollte, bis in die Mitte des 20. Jahrhundert lebendig. 1)

Die Geschichte von Frankenstein ist eng verbunden mit den Namen von drei Adelsgeschlechter, den Grafen von Leiningen, den Grafen von Nassau-Saarbrücken (sowie den Rittern von Inseltheim/ Einselthum). Die drei als Gemeinsherren bezeichnet, erwarben 1418 die Burg, teilten die Behausung unter sich auf und beschworen einen Burgfrieden. 2) Nur einer der Adeligen, der Ritter von Inseltheim, nahm Wohnung auf der Feste, die beiden gräflichen Mitbesitzer setzten, zur Wahrung ihrer Interessen, einen Amtmann in die Burg.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Burg in kriegerische Auseinandersetzungen mit der Kurpfalz verwickelt und in den Folgejahren teilweise dem Verfall preisgegeben. Von Seiten der Kurpfalz als militärisches Objekt von strategischer Bedeutung bezeichnet, veranlassten die Grafen von Nassau-Saarbrücken im Jahr 1562 Renovierungsarbeiten am Bergfried und Torhaus.

Die Tage des mächtigen ca. 30 Meter hochaufragenden Turmes waren 25 Jahre später gezählt. Der als "Befehlshaber zu Frankenstein" geltende Schultheiß von Kaiserslautern Johannes Engel, in nassauischen Diensten stehend, ließ den leicht beschädigten Turm, gegen den Wiederstand des Lehenseigentümer, des Abtes von Limburg, sowie der kurfürstlichen Administration in Kaiserslautern, abbrechen. 3) Die diesbezüglichen Differenzen zogen sich über 4 Jahre hin und hinterließen einen umfangreichen Schriftverkehr, der bei genauer Interpretation einen ersten Hinweis auf einen Schatz im Schloss, enthielt. Im Rahmen eines Vertrages, der die Abbrucharbeiten des baufälligen Bergfriedes zum Inhalt hatte, erwähnt dieses als "Verdingzettel" bezeichnete Dokument unter anderem: "... werden Fundgegenstände beim Abbruch entdeckt, sind diese zwischen dem Maurermeister Roth, der die Abbrucharbeiten am Turm durchführte und den Gemeinsherren hälftig zu teilen."

Ob es sich bei diesem Wortlaut um eine Routineformulierung jener Zeit handelte ist schwer abzuschätzen. Vielleicht hatte Johannes Engel aber Kenntnis von irgendwelchen Gerüchten die im Zusammenhang mit einem Schatz stehen könnten. Als die Abbrucharbeiten am Turm nach 6 Wochen zu Ende gingen, ohne Gegenstände von Wert zu finden, geriet die Sache in Vergessenheit.

Über zehn Jahre später gewinnt die Mähr von der Existenz eines Schatzes plötzlich wieder an Lebendigkeit. 4) Bei Recherchen zur Burg Frankenstein kam ein mehrmals übersehenes Dokument zur Auswertung. Der Inhalt war von großer Brisanz, bezog er sich doch, wenn auch etwas vage formuliert, auf einen Schatz unter einem Stein in dem kleinen Hofraum innerhalb der Burg.

Bartel Kolb der nassauische Oberkeller zu Kirchheim und Verfasser des Dokumentes berichtet darin den Hergang einer Begebenheit auf Burg Frankenstein. Im Jahre 1602 fand ein ausführlich dokumentierter Grenzumgang statt. Wie üblich nahmen daran die drei ortskundigen Hofmänner der adeligen Hofgüter teil. Michael Heilmann nassauischer, Cornelius Heilig leiningischer und Leonhard Oppermann wallbrunnischer Beständer zu Frankenstein. 5)

Die ehrenwerten Männer schilderten dem Vertreter des Stadtschreiber von Kaiserslautern die nicht all zuweit zurückliegende Begebenheit. Ein namentlich nicht näher bezeichneter Mann habe die Burg unverschlossen vorgefunden und eine Weile im wallbrunnische Teil gewohnt. Er wusste von einem großen Schatz, der unter einem mit + gezeichneten Stein, verborgen liege.

Da der Stein aber zu groß und schwer sei, könne er ihn allein nicht heben. Die drei Hofmänner hätten den gezeichneten Stein gesehen, der läge aber nicht im wallbrunnische Teil, sondern der Stein liege im nassauischen Teil der Burg. Dieser vage Hinweis zur Fundstelle lässt die ungefähre Position des Steines erkennen. Bartel Kolb vermerkte in seinem Bericht des Weiteren "... wenn nochmals etwas unter dem Stein sein sollte, sei es unter den drei Gemeinsherren zu teilen". Der Oberkeller zu Kirchheim übergab Abschriften des von ihm abgefassten Berichtes vom 22. Juni 1602, persönlich an die Kanzlei in Hardenburg und an Johann Jonas den wallbrunnischen Keller zu Gauersheim.

Dem Dokument beigefügt waren drei weitere kurze Hinweise zu einem regen Schriftwechsel, der den Schatzfund in der Burg dokumentierte.

Das bereits erwähnte Dokument, aus der Feder von Bartel Kolb datiere auf den 22. Juni 1602. Am 25. Juni schrieb der Oberkeller seinem Herrn dem Grafen von Nassau-Saarbrücken, dessen Befehl folgend, am 3. Juli nach Frankenstein zu kommen um zu sehen, ob ein verborgenes Geld bei dem Stein gehoben und etwas gefunden wurde.

In einer am 16. Juli verfassten Mitteilung erwähnt der Oberkeller die Möglichkeit eines Vergleiches mit dem Junker von Wallbrunn bezüglich des mit einem + gekennzeichneten Steines.

Unter dem Datum vom 18. Juli vermeldet Bartel Kolb seinem Herrn dem Grafen von Nassau-Saarbrücken folgendes:

"Besichtigung des Steins mit dem + zu Frankenstein“


Der Schatz im Schloss

Bild 1. Brieftext, Stein mit Kreuz

Der Schriftverkehr endete am 20. Juli 1602 mit dem Befehl an den Oberkeller zu Kirchheim: "Die Besichtigung des Steins sei einzustellen." 4)

Im Jahr 1706 trennten sich die Grafen von Nassau-Saarbrücken von ihrem Drittel an der Herrschaft Frankenstein. Der neue Besitzer war der Kurfürst von der Pfalz, der von dem Vorbesitzer sämtliche Frankenstein betreffenden Dokumente und Urkunden übernahm. Der nassauische Amtmann Medicus fertigte, in der ihm eigenen wunderbaren Kanzleihandschrift, eine Aufstellung "Generali" und erwähnt darin unter Punkt 8, Nr. 13 das Dokuments welches sich mit dem Schatz im Schloss befasste. Ein Teil der in der Zusammenstellung an die Kurpfalz abgegebenen Akten bleibt verschwunden. Möglicherweise betraf das weitere Dokumente welche den Schatz zum Inhalt hatten. 6)

Interessant wäre es jetzt nach den Beweggründen zu forschen, welche dem Vergraben des Schatzes zugrunde lagen. Man darf wohl davon ausgehen, dass der Besitzer der Wertgegenstände in einer wie auch immer gearteten Notlage war als er einen Teil seines Vermögens in der Erde verwahrte. Meistens waren es kriegerische Auseinandersetzungen welche die Grundlage für solches Verhalten bildete. Erlaubt sei die Spekulation über den Personenkreis und die Finanzkraft der mittelalterlischen Burgherren.

Gänzlich auszuschließen waren die Grafen von Nassau-Saarbrücken die niemals in der Burg residierten. Nach der leiningischen Teilung von 1237 viel die Burg an Emich IV. Er war nur kurzzeitig in Frankenstein präsent und zog es vor auf der Burg Landeck die neue Linie Leiningen-Landeck zu gründen. Dass das aussterbende Rittergeschlecht von Frankenstein in ihrer Lehensburg Wertgegenstände hinterlegt haben könnte gilt als unwahrscheinlich. Dem hochverschuldeten Grafen von Leiningen-Rixingen, der im 14. Jahrhundert Eigner der Feste war, dürften die Mittel zur Hinterlegung eines Schatzes gefehlt haben. Unter Abwägung aller Fakten richtet sich der Fokus auf das Geschlecht eines Emporkömmlings, des Ritters von Inseltheim. Es gelang diesen, über verschiedene Pfandschaften, gegen Ende des 14. Jahrhundert weitgehenst in den Besitz der Herrschaft Frankenstein zu gelangen. Stefan III. von Einselthum geb. um 1330 erlangte etwa um 1369 die Ritterwürde. Er kam Dank seiner umfangreichen kurpfälzer Lehen und wegen der ihm eigenen großen finanziellen Fähigkeiten zu Macht und Einfluss. Der neureiche Ritter, verlieh bis zu seinem Tod 1391, beträchtliche Summen gegen entsprechende "Sicherheiten" an den Hochadel in seiner Umgebung.

Sein Sohn Dieter von Einselthum führte die väterlichen Finanzgeschäfte geschickt weiter. Er dehnte die Politik der Pfandschaften weiterhin mit Erfolg aus z. B. ein Drittel von Bolanden, Montfort, Neuburg, Ladenburg, Schriesheim, Kallstadt u.s.w.

Ein Großteil dieser Pfandschaften stammten aus dem Besitz des damaligen deutschen Königs Rupprecht von der Pfalz, dem er ein Darlehen von 6000 Goldgulden gewährt hatte. Als Gläubiger eines Königs zu gelten stärkte sicher das Selbstvertrauen von dem um 1437 verstorbenen kleinen Adeligen. Die Ritter investierten während des 14. und 15. Jahrhundert in den Ausbau von Schloss Frankenstein, wohl mit dem Hintergedanken die Burg zu einem standesgemäßen Wohnbau zu erweitern. Der südöstliche Teil der Feste zeugt bis heute von den nicht ganz zu realisierenden Träumen ihrer Erbauer. 7)

Während einer Fehde Leiningen gegen die Kurpfalz könnte der Augenblick gekommen sein, an dem der Ritter von Einselthum einen Teil seiner Wertgegenstände vergrub, zumal ihm Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken in jener Zeit für 2 Jahre zu seinem Amtmann auf Burg Frankenstein machte. Der Ritter hatte somit ungehindert Zugang in die Oberburg, 8) welche auf einem Felssporn liegend als Besitzteil der Grafen von Nassau galt. Der Ritter Dieter wohnte als einziger der drei Gemeinsherren im südöstlich gelegenen Seitenflügel des Schlosses. Der leiningische Teil umfasste den nach Osten hin ausgerichteten alten Pallas. Unterzieht man jetzt die Aussage der drei Frankensteiner Hofmänner aus dem Jahr 1602 einer näheren Betrachtung, wäre der Fundort, des mit einem + gekennzeichneten Steines, innerhalb des kleinen Burghofes gelegen. Gegenüber dem, zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Wallbrunn befindlichen südöstlichen Seitenflügel.


Der Schatz im Schloss

Bild 2. Vermutete Lage des mit einem + gekennzeichneten Steines im
Burghof von Schloss Frankenstein

Als Fazit bleibt bestehen, entweder war die Begebenheit als ein Gerücht abzutun, oder einer der Miteigner der Burg bemächtigte sich heimlich der Wertgegenstände. Eine Antwort auf die offenen Fragen ist nach der momentanen Dokumentenlage nicht möglich.

In der Zwischenzeit pfeift der Wind durch die kahlen Fensterhöhlen der verfallenen Ruine. Der Ruhm der Adelsgeschlechter ist verblasst. Die Mähr vom Schatz im Schloss überdauerte die Jahrhunderte bis in unsere Zeit hinein.

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