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Schultheiss Maire Bürgermeister (Frankensteiner Ortsvorsteher von 1755 - 1876)
von Gerhard Michel, Frankenstein November 2003

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Historische Gegebenheiten
2. Reihenfolge und Amtszeit der Ortsvorsteher
3. Kurzportrait der Bürgermeister
3.1 Siegesmund Friedrich Ritter (1724 – 1787)
3.2 Johann Theobald Ritter (1748 – 1831)
3.3 Karl Adolf Ritter (1794 – 1863)
3.4 Peter Eymann (1789 – 1855)
3.5 Matthäus Kurz (1780 – 1860)
3.6 Paul Kölsch (1800 – 1867)
3.7 Carl Siegmund Ritter (1823 – 1876)
4. Unterschriften und Grabsteine der Bürgermeister
5. Nachtrag
6. Literaturquellen

Schultheiss-Maire – Bürgermeister.
Frankensteiner Ortsvorsteher von 1755 – 1876.
Gerhard Michel, Frankenstein

Einleitung

Geschichtlich sind die beiden Gemeinden Frankenstein und Hochspeyer eng miteinander verbunden. Bedingt durch ihre Lage an einer der großen Ost-West-Verbindungsstraßen durch den Pfälzer Wald rückten sie in mannigfaltiger Weise in die Abläufe der Zeit, da sind Untergang des Fürstentums Leiningen, der Kurpfalz sowie des Heiligen Röhmischen Reiches Deutscher Nation.

Der Zeit unter französischer Herrschaft folgte der Anschluss an das Königreich Bayern, welches im Deutschen Kaiserreich aufging. Es gilt innerhalb einer Zeitspanne von ca. 100 Jahren, gekennzeichnet von epochalen Umwälzungen, die Personen kenntlich zu machen, welche die Geschicke der beiden Gemeinden in Händen hielten.

1. Historische Gegebenheiten
Das Territorium unserer Heimatgemeinde Frankenstein befindet sich auf dem historischen Boden der Kurpfalz, deren Wurzeln zurück reichen bis ins Jahr 1156. Damals übertrug Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Stiefbruder Konrad die „Pfalzgrafschaft bei Rhein“ (1.).

Im Jahr 1742 sehen wir den Kurfürsten Carl Theodor (1724-1779) auf dem Thron der Kurpfalz. Die Ära des kunstbeflissenen Monarchen, in seiner Mannheimer Residenz, endete 1777. Der Monarch erbte, gemäß dem 1329 besiegelten Hausvertrags von Padua (1.), das Herzogtum Bayern. Das Haus Wittelsbach regelt darin die Trennung in eine pfälzische und eine bayerische Linie und die künftige Erbfolge. Carl Theodor bestimmte München zu seiner neuen Residenz. Unter Mitnahme wertvollen kurpfälzischen Kulturgutes zog er dorthin. Zurück blieb seine unglückliche Gemahlin, die Kurfürstin Elisabeth Augusta, welche im Schloß Oggersheim ihren Witwensitz nahm. Mit dem Tod von Carl Theodor 1799 und dem Frieden von Lunèville 1801, bei dem die linksrheinischen Gebiete von Napoleon annektiert wurden, erlosch die staatsrechtliche Existenz der Kurpfalz, des ältesten rheinischen Kurfürstentums (1.).

Lehnsherr im Bereich der beiden Gemeinden Frankenstein und Hochspeyer war der Fürst Friedrich Wilhelm von Leiningen (1724-1807) (4.). Der Verwaltungsmittelpunkt lag im Schloß der leiningischen Residenz zu Bad Dürkheim. Heute steht an dieser Stelle die Spielbank. Im ehemaligen Schloßpark spazieren die Kurgäste. Der Fürst von Leiningen besaß 5/6, die Kurpfalz 1/6 (3.), der Einkünfte des Dorfes Hochspeyer und den größten Anteil von Frankenstein.

Siegesmund RITTER (1724-1787 (14.)) lenkte zu dieser Zeit von 1755-1787 (3.) die Geschicke der beiden Gemeinden als „Kurfürstlich – Gräflich – Leiningischer Schultheiss“ Das Amt wurde dem vermögenden Untertan vom Grafen übertragen. Nach seinem Tod im Jahr 1787 übernahm das Amt sein Sohn Johann Theobald RITTER (1748-1831 (14.)) Von 1787-1797 war er Schultheiss der beiden Gemeinden.

Das Fürstenhaus Leiningen betrachtete seine Herrschaft im Linksrheinischen, somit auch über unsere Gemeinden seit 1798 (4.) als erloschen und gehörte zu den Adelshäusern, die bedingt durch die Französische Revolution ihre Besitzungen, welche sie über 800 Jahren inne hatten, verloren. Im Rahmen eines Gespräches mit Kaiser Napoleon am 29. November 1797 versuchte der Erbprinz Karl-Emich v. Leiningen seine Besitztümer wieder zu erlangen (4.). Erfolg war ihm nicht beschieden. Im Nachhinein zahlte es sich aus, dass der Fürst die guten Beziehungen zu Frankreich pflegte und auf Distanz, zu dem Habsburger Kaiser Franz II in Wien, ging. Die Leininger erhielten durch französische Vermittlung 1801 als Entschädigungsobjekte die ehemaligen Kurmainzer Ämter Mittelberg und Amorbach u.s.w..

Die Erschütterungen, ausgelöst durch die Französische Revolution vom 14. Juli 1789, erreichte die beiden Dörfer 1793. Die vorstürmenden Revolutionstruppen fanden auf dem Gebiet der Pfalz 44 Herrschaftsgebiete vor u.a. das Fürstentum Leiningen. Zeugnis der kriegerischen Auseinandersetzungen finden wir an Hand eines Grabsteines neben der prot. Kirche in Frankenstein, dazu den Text aus einer Weidenthaler Pfarrbeschreibung (5.):

„Auf dem mit wenigen Katholiken gemeinschaftlichen Kirchhof zu Frankenstein liegt Friedrich Graf zu Einsiedel, Curfürst-Sächs-Cammerjunker und Second-Lieutnant im Chevauxleger-Regiment von Curland, gestorben am 30.11.1793 zu Kaiserslautern an seinen Tag vorher in Schlacht bey Morlautern für Fürst und Vaterland, empfangenen tödlichen Wunden. Ein Grabstein wurde ihm gesetzt anno 1821 von seinen noch lebenden 4 Brüdern und 2 Schwestern, in dem sie durch einen besonderen Umstand die Leichenstätte des Bruders anno 1820 in Erfahrung brachten. Sie beschenkten die Kirche zu Frankenstein mit 100 fl., welche zum Bau einer Mauer um den Friedhof bei der Kirche verwendet wurde“.

Mit wechselndem Kriegsglück kämpften in den Jahren 1793/94 die jungen, vom Geist der Revolution beflügelten, französischen Truppen auf dem linken Rheinufer. Nicht weit entfernt von unserer Heimat, in Straßburg, ereignet sich in der Nacht vom 25./26. April 1792 ein bemerkenswerter Vorgang. Ein junger Hauptmann vom französischen Festungscorps namens Rouget de Liesle, schrieb einen Text, welchen der Regimentsmusiker Pleyel gleich vertonte. Die Geburtsstunde der Marseillaise, der französischen Nationalhymne.

Allors, enfants de la partie, le jour de gloire est arrivé!

Noch heute weisen Flurnamen in unserer Umgebung wie Blutacker, Blücherschänzel auf die Ereignisse der großen Schlachten hin. Letztendlich obsiegten die Franzosen und die Preußen schlossen in Basel einen Sonderfrieden mit der Französischen Republik (1.). Die linksrheinischen Gebiete wurden ab 1798 französisches Staatsgebiet und eine neue Verwaltung installiert. Der größte Teil der Pfalz fiel in das Department Mont Tonner (Donnersberg) mit einem Präfekten an der Spitze. Das Department gliederte sich in 4 Unterpräfekturen mit Mainz, Kaiserslautern, Speyer und Zweibrücken, als Zentrum. Die Unterpräfektur teilte sich in 10 Kantone. Der Kanton Kaiserslautern umfasste 5 Mairien (Bürgermeistereien), das sind Kaiserslautern, Hochspeyer, Alsenborn, Trippstadt und Weilerbach. Ein Vergleich zu den heutigen Verbandsgemeinden drängt sich auf. Zur Mairie Hochspeyer zählen neben Hochspeyer mit Diemerstein 1080 Einwohner, Fischbach, Frankenstein (472 Einwohner) und Waldleiningen (185 Einwohner). Insgesamt zählte die Mairie 1737 Personen (3.). Das Amt des Maire bekleidete in dieser schwierigen Periode durch die ganze Zeit der französischen Verwaltung Johann Theobald RITTER (1748-1831) von 1798-1814 trug er den Titel eines MAIRE.

Er führte dieses Amt, wie schon zu vor unter dem Fürsten von Leiningen, mit Klugheit, Geschick und Charakter. Ihm zur Seite stand der Munizipal = Gemeinderat. Im Jahr 1801 bestand er aus 10 Mitgliedern, das waren 4 Bürger aus Hochspeyer, 3 Bürger aus Frankenstein (Friedrich Altvatter, Jakob Müller und Theobald Burkhardt), 2 Bürger aus Waldleiningen sowie 1 Vertreter aus Fischbach (3.).

Die neue Verwaltung tangierte alle Bereiche des öffentlichen Lebens.
- Ab 1798 führte die Gemeinde genaue Aufzeichnungen über Geburt, Heirat und Tod (7.).
- Monetäre Umstellung auf französische Zahlungsmittel, den Franken.
- Einführung eines neuen Kalenders 1792-1804
Das Jahr 1792 war der Beginn der neuen Zeitrechnung 1798/1799 war das Jahr 7.
- Die Sieben-Tage-Woche wurde ersetzt durch ein 10er System. Jeder Monat unterteilt in 3 Dekaden mit insgesamt 30 Tagen. Die überzähligen Tage des Jahres galten als Feiertage. Jahresbeginn war der 22. September (1.).
- Eine neue Rechtsordnung beinhaltet der CODE ZIVIL (1.), er erlangte 1804 Gültigkeit. Manche Verordnungen reichen bis in die heutige Zeit.

Die Zeit bis zum Ende der Revolutionskriege und dem Pariser Frieden vom 30.Mai 1814 brachten für die Bewohner von Frankenstein viel Substanzverlust durch hohe Steuern, Gebühren, Einquartierungen, Vorspanndienste, Truppendurchmärsche u.s.w..

Der Wiener Kongress 18.09.1814 – 09.06.1815, einer Versammlung europäischer Monarchen unter Vorsitz des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich, beschlossen eine Neuordnung Europas.

Der neue Name der hiesigen Verwaltung war ab dem 16.06.1814 „Die Kaiserlich-Königlich Österreichische und königlich-bayerische gemeinschaftliche Landes-Administrations-Kommission“. Der Untergang der alten Kurpfalz galt als besiegelt und im Linksrheinischen entstand ein neues Gebiet, die PFALZ. Im großen Länderschacher des Fürsten Metternich, als Ausgleich für den Verlust von Tirol und Vorarlberg, dem Königreich Bayern zugeordnet (1.). Somit wurden die Frankensteiner bayerische Staatsbürger und leisteten ihren Bürgereid auf den bayerischen König.

Der Beginn der bayerischen Herrschaft über die Pfalz datiert auf den 01.05.1816. Die Umwandlung des bisher absolutistisch regierten Bayern in eine konstitutionelle Monarchie, durch Proklamation einer neuen Verfassung erfolgte am 27.05.1818. Am 04.02.1819 eröffnete der erste Landtag in München (In diesen Landtag wird 1849 der Frankensteiner Bürgermeister Peter EYMANN, als vom Volk gewählter Vertreter unserer Region, seinen Einzug halten). Bis zu diesem Zeitpunkt dauerte die gemeinsame Verwaltung der Gemeinden Hochspeyer und Frankenstein, mit Sitz der Bürgermeisterei in Hochspeyer unter Johann Theobald RITTER (1748-1831) von 1814 an trug er den Titel eines BÜRGERMEISTERS.

Den Zeitpunkt der Abtrennung der Gemeinde Frankenstein als selbständige Bürgermeisterei gibt Ludt mit dem Jahr 1822, Karl Lieser mit 1818 an. Nach eigenen Recherchen im Archiv der Verbandsgemeinde Hochspeyer (7.) unterzeichnete ein Frankensteiner Bürgermeister Carl RITTER die standesamtlichen Dokumente des Jahres 1820.

Karl Adolf RITTER ( 1794 – 1863)
Er war BÜRGERMEISTER der Gemeinde Frankenstein von 1820 - 1833

In der Folgezeit bestimmte nun der bayerische Wittelsbacher König, also quasi der Nachfolger des letzten Kurfürsten Carl Theodor, Max Joseph aus der Linie Pfalz-Zweibrücken, die Geschicke unserer Heimat. Die Verwaltung des bayerischen Rheinkreises mit Sitz in Speyer, oblag General Fürst Karl Philipp von Wrede. Die neuen Herren stießen bei den freiheitlich gesinnten Pfälzern auf eine gewisse Skepsis. Der Grund dazu lag in dem Tatbestand, dass die Königlich-Bayerische Regierung von Anfang an versuchte für die Pfalz wichtige Errungenschaften aus napoleonischer Zeit stammend, abzuschaffen und somit das Rad der Zeit zurückzudrehen. Die Pfälzer hielten am Code Napoleon und an den unabhängigen mit Schöffen besetzten Gerichten fest. Diese Gerichte bewahrten sich in den Revolutionsjahren 1832 und 1849 ihre Neutralität. Graf Montglas gab dem Königreich eine neue Verwaltung und machte darin Zugeständnisse an die Pfalz.

Die Verschwendungssucht der bayerischen Monarchen im Rahmen der Errichtung aufwendiger Bauten erregte den Unwillen der pfälzischen Bevölkerung, die sich auf vielen Gebieten von den Bayern benachteiligt fühlte. Man empfand sich als Kolonie am Rande des fernen Königreiches. Die Errichtung neuer Zollgrenzen zu Beginn des Jahres 1830 für Tabak und Wein verschlechterte die Lage der Bauern und Winzer in der Pfalz. In Bayern regierte ab 1825 König Ludwig I. Er galt als unberechenbarer und bauwütiger Monarch. Als Freund des Freiheitskampfes der Griechen gegen die Türken ersetzte er die Buchstaben „i“ durch das „y“ im Namen Bayern und der Stadt Speyer (1.).

Innerhalb der Pfalz bildeten sich 20 Oppositionsgruppen mit 2 verschiedenen Ausrichtungen. Die Gemäßigten, zu ihnen gehörten die beiden Frankensteiner Bürger Carl RITTER und Peter EYMANN, versuchten der Bayerischen Regierung Kompromisse abzuringen und die Radikalen, die in krasser Gegnerschaft standen. Der Protest führender heimatlicher Bürger findet seine Manifestation in der „Knöbelschen Protestation“ vom 28.07.1822, unterzeichnet in der Ritter’schen Posthalterei zu Diemerstein (9.). Einer der Mitunterzeichner des Dokumentes war Paul Camille DENIS (1796-1872) , der Erbauer der Pfälzischen Eisenbahn. Er wurde in den Pfälzischen Landrat gewählt und nahm am HAMBACHER FEST 1832 teil (9.). Am 29.03.1833 reiste er gemeinsam mit Karl Adolf RITTER (1794-1863 (14.)) BÜRGERMEISTER und Posthalter zu Frankenstein von 1820 –1833 in Begleitung von Dr. med. Carl Geiger nach Nordamerika ab. Das Engagement der beiden Frankensteiner Gemeindevertreter des Jahres 1832, Karl RITTER als Bürgermeister und Peter EYMANN als Adjunkt, endete mit ihrer Verurteilung zu 6 Tagen Haft für EYMANN und 14 Tage für RITTER(10.).

Nachfolger des am 29.03.1933 geflohenen Karl RITTER als Bürgermeister wurde sein Adjunkt und Freund Peter EYMANN (1789-1855) BÜRGERMEISTER zu Frankenstein von Jan. 1833-Dez. 1834 (9.)

Die Freundschaft der Familien Ritter und Eymann übertrug sich auf ihre Nachfahren und endet erst mit Ausgang des 19. Jahrhunderts (Briefe im Privatbesitz).

Im Zuge der Ereignisse um das Hambacher Fest von 1832 verließen viele, sich um ihrer freiheitlichen Träume betrogenen, Bürger unsere Heimat, die Pfalz. Als Land ihrer Sehnsucht, wo sie glaubten die Freiheit und Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu finden, galt die USA. Einhundert europamüde, liberal gesinnte Pfälzer unter Führung des Imsbacher Forstmeisters Friedrich Theodor Engelmann, verließen 1833 Europa, um in der Stadt Belleville in Illinois/USA, dem „deutschen Athen Amerikas“ eine neue Heimat zu finden. Zu ihnen gehörte auch der am 02.02.1803 in Frankenstein geborene Andreas KÖLSCH (15). Er war der Bruder von Johann Paul KÖLSCH, Bürgermeister 1849-1851. Zwei Töchter des Bürgermeisters verließen innerhalb einer weiteren Auswanderungswelle ihre Heimat im Jahr 1855, versehen mit je 1000 fl Richtung Belleville in den USA (16.).

Zum Beginn des Jahres 1835 finden wir als Ortsvorsteher von Frankenstein einen Mann, der aller Wahrscheinlichkeit nach, unbelastet gegenüberder Revolution von 1832 war Matthäus KURZ (1779 - 1852 (18.)) BÜRGERMEISTER von 1838 - 1848

Die Signale die dem Hambacher Fest folgten verhallten nicht ungehört. Die beiden Hauptinitiatoren Johannes Georg August WIRTH aus Hof stammender Journalist und Dr. SIEBENPFEIFFER, nach ihm ist eine Straße in Hambach benannt, wurden von einem Speyerer Gericht des Hochverrats freigesprochen. Hier bemerkt man die Neutralität, nur ihrem Gewissen verpflichteten, Richter und Schöffen in der Pfalz. Beide wurden jedoch wegen Beamtenbeleidigung zu je 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Wirth saß seine Strafe ab und floh nach der Haftentlassung nach Nancy. Er wurde 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt und starb am 26.07.1848 (1.).

Dr. Siebenpfeiffer entfloh aus dem Gefängnis zu Frankenthal in die Schweiz und starb 1845 (1.).

Die beiden Akteure der Frankensteiner Bürgerschaft P. Eymann und C. Ritter erlebten die Ereignisse auf unterschiedliche Weise.

Carl Ritter war als Ersatzmann für Nicolaus SCHMITT in die Nationalversammlung nach Frankfurt gewählt.

Peter EYMANN distanzierte sich etwas von der revolutionären Bewegung. Auf Grund seines mennonitischen Glaubens lehnte er Gewaltanwendung völlig ab. Er setzte auf Veränderung durch Kompromisse, an deren Zustandekommen er als Mitglied des Bayerischen Landtags arbeitete. Er vertrat den Wahlkreis Kaiserslautern – Kirchheimbolanden zusammen mit Adolf Derkmann und Philipp Hach aus Kaiserslautern. Eine Aufforderung des Landesverteidigungsausschusses vom 5. Mai 1849 an die pfälzischen Abgeordneten der Bayerischen Volkskammer lehnte er ab. In zwei Briefen vom 7. Febr. 1849 und vom 18. Mai 1849, an seine in Frankenstein wohnende Ehefrau Susanne Eymann, geb. Goebels, schilderte er die Ereignisse im Parlament zu München.

Zu dieser Zeit regierte Ludwig I. das Königreich Bayern. Die pfälzische Bevölkerung hegte größtenteils wenig Sympathie gegenüber ihrem Monarchen. Andererseits liebte Ludwig die Pfalz. Er nannte sie: „Meinen schönsten Garten“. Inmitten diesem, seinem Garten baute er sich eine Sommerresidenz. Das Schloss „Villa Ludwigshöhe“ in den Weinbergen über der Gemeinde Edenkoben. Planung und Ausführung der im pompejanischen Stil errichteten Villa (1852 eingeweiht), lag in Händen von Friedrich Gaertners, dessen Genie in der Schöpfung seiner Bauten in der Münchner Ludwigstraße, zu Stein wurde. Stilistische Parallelen zu dem Bauwerk am Haardtrand, entdecken wir an der „Villa Denis“ im Diemersteiner Tal. Großes Aufsehen, verbunden mit einem Prestigeverlust für den König, erregte dessen Affäre mit der schönen Tänzerin Lola Montez (1818 – 1861), welche 1848 als Gräfin Langsfeld geadelt wurde und im gleichen Jahr Bayern verlassen musste. Sie erwarb sich 1846 die Gunst des Monarchen (23.). Der Versuch Einfluss auf die Politik zu nehmen seitens der schönen Lola, führte im Jahr 1848 mit zu Unruhen in München. Zum Sprecher der Opposition machte sich ein Fürst von Leiningen. Unter dem Druck der Ereignisse gab der Monarch nach und verzichtete auf den Thron zugunsten seines Sohnes Maximilian II.. Das Deutsche Volk sehnte sich weiterhin nach Freiheit und der Gründung eines Reiches. Am 16. Mai 1848 versammelten sich in der Frankfurter Paulskirche 600 Abgeordnete der Nationalversammlung. Sie beschlossen eine Nationalstaat, mit einem Kaiser als Oberhaupt. Leider stieß die neue Verfassung bei den regierenden Fürsten auf Ablehnung. Am 30. April 1849 veröffentlichte die Bayerische Regierung ihre ablehnende Haltung (3.). Enttäuschung, Hass und Erbitterung ergriff die Pfälzer und wieder mal lehnte man sich gegen die Tyrannei der Fürsten auf. Am 2. Mai 1849 versammelten sich 2.000 Vertreter der Bevölkerung in der Fruchthalle zu Kaiserslautern. Man beschloss die Bildung einer provisorischen Regierung und die Aufstellung einer Streitmacht. Am 16. Mai 1849 konstituierte sich in Kaiserslautern eine provisorische Regierung der Pfalz und sagte sich von Bayern los (21.). Einen detaillierten Ablauf des Geschehens gibt Johannes Goebels, der Schwager von Peter Eymann, sehr anschaulich in seinen Tagebuchaufzeichnungen betreffend das Jahr 1849 wieder (19.). Johannes Goebels ist gläubiger Mennonit und lehnt Gewalt als Mittel der Zielrealisierung ab. Unter dem 13. Mai 1849 lesen wir folgende Eintragung: „Jetzt soll alles exerzieren von 18 bis 60 Jahre – allgemeines Lamento. Besonders in unserem Eck, weil die Leute nicht wissen wie es in der politischen Welt steht. Gott helfe“!

Der neu geschaffenen Armee der Pfalz schlossen sich auch 2 Bürger Frankensteins an, die zuvor bei ihrem Regiment in Zweibrücken desertierten (13.). Beide flohen nach Niederschlagung des Aufstandes nach Nordamerika. Das Appelationsgericht in Zweibrücken erhob gegen 333 Personen Anklage. Am 25. November 1850 erfolgte das endgültige Urteil (13.).

Der Bayerische König entschloss sich an seinen rebellische Untertanen in der Pfalz ein Exempel zu statuieren. Der Aufstand soll mit Waffengewalt niedergeschlagen werden. Allerdings hegen ihn Zweifel an der Treue seiner Armee in der viele Pfälzer dienten. Somit überträgt er das blutige Geschäft kurzerhand den Preußen. Am 18. Mai 1849 schlugen Preußische Truppen den Aufstand in der Pfalz und Baden blutig nieder. Dem Tagebuch des Johannes GOEBELS (19. (1803 – 1876)) sind folgende Passagen entnommen:

01.01.1849 ... diese Hoffnung durch die Fürsten und ihre Ratgeber auch auf das Schnödeste in vielen Beziehungen getäuscht.

13.01.1849 P. Eymann geht morgen fort nach München.

11.03.1849 Heute kam Eymann zurück aus München, die Kammer vertagt bis 15.

19.04.1849 Die Kammer ist vertagt bis 15.5. wohin werden die Fürstenlaunen führen.

02.05.1849 Heute in Kaiserslautern waren mindestens 8.000 Menschen versammelt.

bis 24.05. erfolgt eine genaue Beschreibung der Ereignisse
28.05.1849 Eymann kam von München zurück.

29.05.1849 Eymann war beim Doktor in Kaiserslautern, er kam krank aus München zurück.

02.06.1849 Gestern wurde von Soldaten ein Fuhrmann in Frankenstein erschossen.

14.06.1849 Frankenstein und das ganze Tal sind überfüllt mit Freischaren. Endlich sollen die Preußen in Kaiserslautern sein.

17.06.1849 Diese Nacht waren die Preußen in Frankenstein. Unsere Jungen hatten 30 Mann einquartiert. Hörte gestern, dass das lumpige Preußenpack unseren Christian GOEBELS; Schwiegersohn von Peter Eymann, das beste Pferd wegnahmen.

Soweit die Angaben eines Zeitzeugen.

Drei preußische Divisionen besetzten die Pfalz, am 14. Juni Kaiserslautern. Die geschlagenen Freischärler, darunter auch die beiden Frankensteiner, zogen über den Rhein nach Baden, wo sie sich, nach einem verlorenen Gefecht bei Waghäusel auflösten (1.). Wieder einmal, wie so oft in der Vergangenheit musste das tapfere Völkchen der Pfalz seine Freiheitsträume begraben.

Der Ablauf des Geschehens setzte dem Frankensteiner Landtagsabgeordneten Peter Eymann dermaßen zu, dass er am 28. Mai 1849 krank und als gebrochener Mann in seinen Heimatort zurückkehrte. Er war nicht in der Lage das Amt des Bürgermeisters auszuüben. Mitten hinein in die turbulente Periode fällt die Amtszeit von Johann Paul KÖLSCH (1800 – 1867) BÜRGERMEISTER von 1849 – 1851

Der Gastwirt, Holzhändler, Sägewerkbesitzer und Handelsmann (19.) war ein politisch unbeschriebenes Blatt und somit in dieser Zeit die ideale Besetzung, zumal er seit längerer Zeit dem Gemeinderat angehörte und mit den Verhältnissen vertraut war. In seine Amtszeit fällt die Entwaffnung der Frankensteiner Bürgerschaft vom 30.06.1849. Ein Großereignis für die Pfalz stellt die durch die Revolutionswirren verzögerte Fertigstellung der Ludwigsbahn dar. Die Strecke über 116 km Länge von Ludwigshafen nach Bexbach war ab Spätsommer 1849 durchgehend befahrbar. Die Eröffnungsfahrt fand am 25.08.1849 statt. Der, für den Bau verantwortliche Baudirektor war Camille DENIS, der junge Revolutionär von 1832. Er errichtete sich in Diemerstein einen kleinen Landsitz die „Villa Denis“. Am Bau der Ludwigsbahn beteiligte sich finanziell der ehemalige Frankensteiner Bürgermeister Carl RITTER (9.).

Bedingt durch die bedrückenden politischen Verhältnissen, gepaart mit Mißernten, entschlossen sich 1850 – 1852 mehrere Frankensteiner Bürger zur Auswanderung. Sie mussten die Behörde in Kaiserslautern um die Entlassung aus dem bayerischen Untertanenverband bitten. Darüber hinaus benötigten die Auswanderer einen Reisepass ins Ausland. Wie auch in der Folgezeit war das bevorzugte Reiseziel Nordamerika. Im Jahr 1858 besuchte der König Maximilian II. seine linksrheinische Provinz. Er spendete der Gemeinde Frankenstein 100 fl in die Armeekasse.

Die in damaliger Zeit übliche Amtsperiode des Bürgermeisters betrug 2 Jahre und endete für Paul Kölsch im Spätjahr 1851. Ihm folgte im Amt Peter EYMANN (1789 – 1855) Bürgermeister von 1851 - 1855

Seine erste Amtsperiode endete 1853. Er wurde dann ein letztes Mal für 2 Jahre in seinem Amt bestätigt. Das Jahr 1853 brachte erneut „große Not wegen Missratens der Kartoffeln“ über die hiesige Gegend. Die Forstbehörden gestatteten das Sammeln von Bucheln ohne Entgelt, um die große Not zu lindern (20.). Das gleiche Schicksal traf die Bevölkerung in den Jahren 1947/48. Die Erträge des Waldes wie Holz, Viehfutter, Bucheln und Heidelbeeren trugen zum Überleben bei.

Die Bevölkerung wuchs im 19. Jahrhundert ständig an. Von 1800 bis 1855 dem Tod von Peter Eymann, von 414 auf 710 Personen (15). Der Kindersegen war für heutige Verhältnisse unvorstellbar. Der Ex-Bürgermeister Paul Kölsch hatte von 2 Frauen insgesamt 14 Kinder. Überhaupt, den Frauen war, wie auch schon Jahrhunderte vorher meistens ein hartes Schicksal beschieden. Viele starben bereits in jungen Jahren im Kindbett. Sowohl Peter Eymann als auch Paul Kölsch verloren ihre erstangetrauten Frauen. Hunger, Armut und schlechte Wohnverhältnisse taten ihr Übriges. Interessant wäre eine statistische Untersuchung der Lebenserwartung unserer Ahnenmütter in Frankenstein.

Der gesundheitliche Zustand des Bürgermeisters Peter Eymann verschlechterte sich Anfang des Jahres 1855 dermaßen, dass er das Amt als Ortsvorsteher nicht mehr ausüben konnte. Er verstarb am 14. März 1855 zu Frankenstein. Seine letzte Ruhe fand er auf dem kleinen Mennonitenfriedhof zu Diemerstein. Auf diesem Friedhof beerdigten seit 1783 die, von anderen Religionsgemeinschaften wenig gelittenen, Mennoniten ihre Toten. Bis zum Ende seiner Wahlperiode im Dezember 1855 übernahm sein Adjunkt Carl Siegmund Ritter die Amtsgeschäfte.

Carl Siegmund RITTER (1823 – 1876 (14.)) Bürgermeister von 1856 – 1876

Der zu Beginn 34-jährige Ritter, Ökonom und Brauereibesitzer, führte nun die Geschicke der Gemeinde, bis zu seinem Tod 1876, über einen Zeitraum von 20 Jahren. Er stammte aus dem alten, vermögenden Geschlecht der Familie Ritter, deren Vertreter die Geschicke der Gemeinden Hochspeyer und Frankenstein im 18. und 19. Jahrhundert, bestimmten und deren Gräber auf dem alten Frankensteiner Friedhof direkt neben der 1871 erbauten Kirche, bis heute erhalten blieben.

Die Menschen in unserem Dorf sehnten sich wie zu allen Zeiten nach Ruhe und Frieden. Wirtschaftlich bessern sich die Gegebenheiten langsam. Bedingt durch den hiesigen Haltepunkt der Ludwigsbahn konnte ein reger Warenaustausch mit der Umgebung erfolgen. Leider währte die Periode des Friedens nicht all zu lange. Bereits 1859 berichtet Susanne Eymann in ihrem Tagebuch (19.) von kriegerischen Ereignissen, die sich im Rahmen der italienischen Staatsgründung (1859 – 1861) ereigneten und deren Fernwirkung bis Frankenstein reichten:

01.05.1859 : Kriegszustand in Sardinien
30.05.1859 : erste Einquartierung
02.07.1859 : Morgens früh Einquartierung, ich habe 2 Mann. Unsere Soldaten sind brav.
16.07.1859 : Die Soldaten sind bereits eingezogen mit Musik und Trommeln
17.07.1859 : Sonntag, diesen Morgen sind alle Soldaten abgezogen, es war lange genug, sie waren vom 9. Regiment

Napoleon III. (1808 – 1873) führte in Italien Krieg gegen Österreich. Es dauerte nur bis 1866 als erneut die Furie des Krieges nach Frankenstein griff. Im „Deutschen Krieg“ 1866 zwischen Preußen und Österreich um die Führung in Deutschland, trug Preußen den Sieg davon.

Bayern und somit die pfälzischen Soldaten kämpften unter dem Oberbefehl ihres Königs Ludwig II. (1845 – 1886) er bestieg den Thron1864, auf Seiten der Österreicher. Letztendlich wurden aus den Bayern doch noch gute Deutsche, denn sie traten aufgrund des Vertrages von 28. November 1870 dem neuen Deutschen Reich bei.

Susanne Eymann beschreibt in ihrem Tagebuch (19.) das Geschehen ab dem 26. Juni 1866 ihre Eindrücke auf dem Bahnhof zu Kaiserslautern. Unter dem 2. Juli dann die erlösende Eintragung WAFFENSTILLSTAND! Der Gemeinderat beschloss bereits am 27. Juni 1866 die Aufstellung einer Sicherheitsgarde (13.) der insgesamt 39 Frankensteiner Bürger angehörten. Der Friede von Prag am 23. August 1866 beendete den Konflikt. Kaum zu Atem gekommen bahnte sich innerhalb der Amtszeit von Siegesmund Ritter eine weitere Auseinandersetzung an. Napoleon III., dem wir anno 1859 schon begegneten, schickte am 19. Juli 1970 die französische Kriegserklärung nach Berlin. Die Pfalz als ewiges Grenzland fürchtete natürlich wieder in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Die Ahnung trog nicht. Das deutsche Oberkommando ließ drei Armeen aufmarschieren, von denen zwei ihren Weg durch die Pfalz nahmen (3.). Am 4. August 1870 stürmten preußische und bayerische Regimenter Weissenburg. Mit dem Sie bei Wörth am 6. August 1870 war die Pfalz erlöst. Der Krieg zog ins französische Hinterland, Richtung Paris. Als Napoleon III. am 2. September 1870 in preußische Gefangenschaft geriet war der Krieg zu Ende und in Paris wurde die Republik ausgerufen. Die Süddeutschen Staaten, darunter Bayern, traten dem Norddeutschen Bund bei, der sich damit zum Deutschen Reich erweiterte. Am 18. Januar 1871 wurde der preußische König Wilhelm I. (1797 – 1888) im Schloss von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert (23.). Seine Amtszeit erstreckte sich über 17 Jahre von 1871 – 1888.

Auch zu diesen Kriegsgeschehen gibt es Berichte einer Frankensteiner Zeitzeugin. Die Frau des Försters Rotberg von Frankenstein erlebte die Durchmärsche und Eisenbahntransporte der Deutsche Armeen. Sie beschreibt die Einquartierungen der schmucken Soldaten von Gardekorps und den Husaren, die mit gezücktem Säbel als Vorhut in das Dorf einritten. Den Preußen galten die Pfälzer immer noch als franzosenfreundlich. Weiter heißt es: Anfang August bezogen an einem Samstagabend 30.000 Mann am Ende des Dorfes auf den Wiesen Quartier. Der ganze Stab lag im Dorf, dabei der Prinz Salm-Salm, welcher bei Bürgermeister Ritter Quartier bezog (24.).

Nach dem Krieg wurden Elsaß und Lothringen wieder deutsches Reichsgebiet. Der Keim zum Konflikt kommender Jahre war gelegt.

Auf die Bevölkerung unseres Dorfes kam nun über eine 40 Jahre währende Friedensperiode zu. Erst 1914 donnerten im Westen wieder die Kanonen und ein weiterer Waffengang stand uns bevor. Leider nicht der Letzte, wie wir 1939 erfahren mussten. Danach erschien es allen genug! Bei Konrad Adenauer und Charles de Gaulle setzte sich die Erkenntnis durch, man sollte das kriegerische Jahrtausend beenden. Der Beginn der Deutsch-Französischen Freundschaft.

Die Amtsperiode von Siegesmund RITTER endet mit dessen Tod am 31. Juli 1876 zu Frankenstein. Damit endet der vom Verfasser willkürlich gewählte Betrachtungszeitraum.

Die Entwicklung Frankensteins von der Feudalzeit des 18. Jahrhunderts bis hin in das Deutsche Kaiserreich nach 1870/71 war geprägt von der Leidensbereitschaft dem Lebensmut und dem Kampf um die Freiheit, seiner Einwohner. Mutige und tatkräftige Ortsvorsteher lenkten die Geschicke der Gemeinde in schwierigsten Zeiten. Ob Schultheiss – Maire oder Bürgermeister jeder von ihnen versuchte sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Wir mögen ihnen allen ein ehrendes Gedenken bewahren.

2. Reihenfolge und Amtszeit der Ortsvorsteher

1755 – 1787 Siegesmund RITTER (1724 – 1787) Schultheiss
1787 – 1814 J. Theobald RITTER (1748 – 1831) Schultheiss/Maire
1814 – 1820 J. Theobald RITTER (1748 – 1831) Bürgermeister

Bis zu diesem Zeitpunkt bildeten die Gemeinden Hochspeyer und Frankenstein eine Verwaltungseinheit. Ab 1820 erfolgt die Abtrennung Frankensteins (7).

1820 – 1833 Carl Adolf RITTER (1794 – 1863) Bürgermeister
1833 – 1834 Peter EYMANN (1789 – 1855) Bürgermeister
1835 – 1838 Matthäus KURZ (1780 – 1860) Bürgermeister
1838 – 1848 Peter EYMANN (1789 – 1855) Bürgermeister
1849 – 1851 Paul KÖLSCH (1800 – 1867) Bürgermeister
1851 – 1855 Peter EYMANN (1789 – 1855) Bürgermeister
1856 – 1876 Carl Siegmund RITTER (1823 – 1876) Bürgermeister

3. Kurzporträt der Bürgermeister

3.1 Siegesmund Friedrich RITTER luth. geb. 13. April 1724 in Göllheim, gest. 10. März 1787 in Diemerstein, ehelichte Elisabeth Seib geb. Diemer am 6. Juli 1745. Er war Kurpfälzischer Zöllner und Reichsposthalter. In den Stallungen der Thurn- und Taxischen Poststation zu Frankenstein standen 1750 ca. 50 Pferde. Er war 1781 Wirt in Hochspeyer und besaß darüber hinaus ein großes landwirtschaftliches Anwesen mit ca. 65 Morgen Land, Schätzungskapital 305 fl. Seinen Grabstein neben der Dorfkirche ziert eine Inschrift, welche seine Titel beinhalten. Er erbaute das stattliche, heute unter Denkmalschutz stehende, Bürgerhaus am Eingang des Diemersteiner Tales (3.).

3.2 Johann Theobald RITTER luth. geb. 16. April 1748 zu Frankenstein, gest. 9. Mai 1834 zu Hochspeyer, ehelichte Christine Barbara Wentz am 31. Dezember 1780. Sieben Kinder. Er war Gutsbesitzer mit 63 Morgen Land, Küfer und Schultheiss zu Hochspeyer. Außerdem war ihm der Gasthof „Zum Ritter St. Georg“ zu eigen. Aus den Resten des Fischbacher Schlosses baut er 1804 das “Ottmännische Haus“ (30.) im Zentrum des Ortes und verkaufte am 6. Oktober 1824 zusammen mit weiteren Konsorten zum Preis von 3575 fl die Bordemühle mit Wohnhaus und Hofraum, am Eingang des Leinbachtales (19.).

3.3 Carl Adolf RITTER prot., geb. 5. März 1794 in Frankenstein, gest. 13. August 1863 zu Kaiserslautern (18.), er ehelichte Anna Hassieur. 11 Kinder. Über einen nicht näher zu bestimmenden Zeitraum wurde Carl Adolf von dem Hauslehrer und Pädagogen Georg Jakob Roller erzogen. Er folgte 1820 (nach Recherchen von H. Neumer und H. Michel im Archiv der Verbandsgemeinde Hochspeyer, siehe Geburtsurkunden der Gemeinde Frankenstein) als 24-jähriger seinem Onkel s. 3.2, als Bürgermeister von Frankenstein. Am 27. August 1818 erbte er von seinen Eltern (Carl Adolf Ritter und Elisabetha Rüb) u.a. den Klafterthaler Hof. Am 13. Oktober 1819 ersteigerte er von der Gemeinde Frankenstein zum Preis von 791 fl große Teile der Talwiesen Richtung Hochspeyer (Katharienenwoog, Franzosenwoog). Als Mitunterzeichner der Knöbelschen Protestration von 1832, anschließend zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, verließ er 1833, zusammen mit Camille Denis das Land Richtung USA. Am 11. Juli 1834 verlor er wegen der Strafe seine Mitgliedschaft im Landtag zu Speyer. 1848/49 zur Nationalversammlung als Ersatzmann für Nicolaus Schmidt gewählt, kam er nach dessen Ausscheiden in das Rumpfparlament nach Stuttgart. Das gegen ihn eröffnete Verfahren wegen Beteiligung an der Revolution in der Pfalz, wurde am 3. August 1949 eingestellt. Der vermögende Frankensteiner Bürger beteiligte sich am Bau der Ludwigsbahn und am Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals (9.).

Er ist 1838 zusammen mit Peter Eymann, Paul Kölsch und M. Kurz mit insgesamt 9 Personen, Eigner der alten Sägemühle zu Weidenthal (11). Durch den Verkauf der Talwiesen zwischen Frankenstein und Hochspeyer an die Eisenbahngesellschaft war er für den Verlust der am 25. August 1849 geschlossenen Posthalterei entschädigt (25.).

In einem Schreiben des Kgl. Bezirksamtes an die Gemeinde Frankenstein vom 4. Januar 1865 wird die Errichtung einer Brauerei erwähnt (13.). Die Fertigstellung des Bierkellers datiert auf einer angebrachten Tafel auf das Jahr 1864.

3.4 Peter EYMANN menn., geb. 13. November 1789 auf der Lohmühle (Sattelhof bei Langmeil), gest. 14. März 1855 in Diemerstein. Ältester von 10 Geschwistern, Sohn des Ökonom und Sembacher Mennonitenpredigers Johannes Eymann. Ehelichte am 9. Juni 1810 Elisabeth Engel von der Diemersteiner Talmühle. Die Brautmutter Magdalena Engel geb. Steiner schenkte dem jungen Paar anlässlich der Hochzeit den Wackenbornerhof. Der Tod des erst 22-jährigen Schwagers Jakob Engel (1788 – 1810) veranlasste das Paar den Wackenbornerhof am 2. Februar 1811 zu verkaufen und auf die Talmühle nach Diemerstein zu ziehen. Am 21. Mai 1828 wurde dem Paar eine Tochter Elisabeth Eymann geboren. Ihre Mutter teilte das Schicksal so vieler junger Frauen in jenen Jahren. Sie verstarb am 10. Juni 1828, knapp 3 Wochen nach der Geburt. Das Neugeborene hatte die Mutter verloren. Am 1. September 1829 heiratete P. Eymann seine zweite Frau Susanne Goebels aus Hertlingshausen. Ihre Mitgift betrug 4.000 fl. Die Behörden in Kaiserslautern erteilen ihm am 21. April 1820 die Bewilligung, am Zusammenfluss der beiden Gewässer des Diemersteiner Tales unterhalb der Villa Denis, eine neue Mühle zu errichten, deren Fertigstellung ca. 1830 erfolgte (Datum auf Türsturz). Das Landkommisariat genehmigte ihm mit Konzessionsvergabe vom 15. Juli 1841 (19.) den Bau einer Ölmühle in Frankenstein. Seit 1830 betrieben P. Eymann, K. Ritter und P. Kölsch einen gemeinsamen Holzhandel. Der Umzug von der Diemersteiner Mühle in das neue Wohnhaus in die Ortsmitte Frankensteins datiert auf Mai 1842. Im Ratsprotokoll vom 24. Juni 1842 beschließt der Gemeinderat das Bürgerumzugsgeld auf 15 fl festzusetzen (13.).

Der aus einem alten schweizer Mennonitengeschlecht stammende P. Eymann war ein tiefgläubiger Mensch. Zusammen mit seinen Diemersteiner Glaubensbrüder nahm er an den sonntäglichen Gottesdiensten zu Sembach, in deren 1777 errichteten Kirche teil. Seit 1816 hatte er das Amt eines Hilfspredigers inne (26.). Wie alle Mennoniten lehnte er Gewaltanwendungen und das Schwören eines Eides ab. Er unterstützte die Sembacher Gemeinde bei der Wahl von Johann Risser zum hauptamtlichen Prediger und bei der Erbauung des Pfarrhauses 1841/42, sowie beim Umbau der Kirche 1853/55 (19.).

Seine politischen Ambitionen fanden im Rahmen des Artikels ihre Darstellung. Am 14. März 1855 verstarb nach langer Krankheit P. Eymann. Er liegt auf dem kleinen Mennonitenfriedhof in Diemerstein begraben. Die Predigt hielt Johannes Risser, Sembach. Das von ihm erbaute Wohnhaus steht heute noch am Goebelsplatz (Kerweplatz). In einem Stein über der Tür finden wir seine Initialen P.E. 1842.

3.5 Matthäus KURZ zur Person dieses Bürgermeisters liegen nur wenig Informationen vor.. Geb. am 8. Oktober 1780 als Sohn des Frankensteiner Bäckermeisters Georg Kurz (er besaß 10 Morgen Land), gest. 28. März 1860 zu Frankenstein. Er war Hufschmied, Ackerer und mit weiteren 8 Personen (u.a. P. Eymann, P. Kölsch und C. Ritter) 1838 Eigner der alten Sägemühle zu Weidenthal/Eisenkeil (18.). Am 30. Dezember 1809 ehelichte er die aus Weidenthal stammende Anna Maria Eitelmann. Das Paar war mit 8 Kindern gesegnet. M. Kurz war 1833 zusammen mit Heinrich Deck, Vorsteher der protestantischen Kirchengemeinde (27). Er wohnte im damaligen Haus Nr. 51 (heute befindet sich an dem Gebäude eine Gedenktafel für Bischof Sebastian) sein Grundbesitz umfasste 17 Parzellen. Wohnhaus, Stall, Scheune, Hofraum und Scheuer ersteigert von Niclas Haab um 400 fl laut Akt vom 31. Juli 1816 (19.).

3.6 Paul KÖLSCH ref., geb. 3. April 1800 zu Frankenstein, gest. 27. Juli 1867. Er war der Sohn des 1797 von Grevenhausen/Lambrecht nach Frankenstein übergesiedelten Metzgermeisters und Viehhändlers Johann Paul Kölsch d.J.. Seine Mutter Elisabeth geb. Kölsch, verstarb am 1. September 1804, im Alter von 27 Jahren. Der Vater heiratete, um seinen 4 kleineren Kindern eine Mutter zu geben, am 1. Juni 1806 in Burglichtenberg, Frederike Sofie Gassert. Am 1. Dezember 1811 verstarb plötzlich der Vater.

Paul Kölsch ehelichte am 10. Januar 1824 die aus Elmstein stammende Margarete Kühner. Seine Schwester Catharina Kölsch, heiratete am 28. April 1815 Theobald Karl Ritter, Posthalter zu Kirchheimbolanden. Von diesem, seinem Schwager, kaufte er am 4. Januar 1825 das Haus Nr. 67 mit dem Hofraum. Er selbst besaß bereits das Haus Nr. 66. Die beiden Häuser und Liegenschaften waren Teil des ehemaligen Leinigischen Hofgutes, welches sein Großvater Joh. Paul Kölsch (von Seiten seiner Mutter Elisabeth geb. Kölsch) am 1. Juli 1778 für 2538 fl, vom gräflichen Forstmeister Eberstein, ersteigerte (28.).

Ab 1830 beteiligte sich P. Kölsch an einem gemeinsamen Holzhandel mit P. Eymann und Carl Ritter. Er betrieb eine Gastwirtschaft und wie aus seinen Geschäftsbüchern (19.) hervorgeht, verlieh er Geld, sowohl an Privatpersonen als auch an Geschäftsinhaber. Nach der Geburt ihres 9. Kindes verstarb seine Frau Margarete am 7. Juni 1839. Im folgenden Jahr am 11. Juli 1840 ehelichte er die Schwester seiner ersten Frau, Frederike Kühner. Das Paar hatte weitere 5 Kinder, so dass der Vater auf die stattliche zahl von 14 Nachkommen blicken dürfte. 1838 war er einer von 9 Teilhabern der alten Weidenthaler Sägemühle. Mit Wirkung vom 12. Juni 1844 erhielt der Konzessionär die Erlaubnis zum Bau einer Sägemühle am Erlenbach, 1865 folgt noch eine Brauerei (19.). Bereits 1842 sitzt P. Kölsch im Gemeinderat von Frankenstein und erlangt 1849 – 1851 das Amt des Bürgermeisters. Zwei seiner Töchter wandern 1855 aus nach USA, der Rest der Kinder verlässt Frankenstein bis auf Otto Kölsch, der seinem Vater im Geschäft nachfolgte und ebenfalls von 1885 – 1889 das Amt des Bürgermeisters inne hatte. Paul Kölsch erlag am 27. Juli 1867 seinem langwierigen Leiden. Seine Nachkommen veräußerten den Besitz. Bei einer Straßenbaumaßnahme fiel das Haus Nr. 66 „Die alte Kaserne“ erbaut ca 1650, 1933/34 der Spitzhacke zum Opfer. Der Grabstein von P. Kölsch steht am Aufgang zu protestantischen Kirche, gleich links.

3.7 Carl Siegmund RITTER luth., geb. 17. November 1823, gest. 31. Juli 1876. Er war der Sohn des königlichen Posthalters Karl Adolf Ritter (1794 – 1863). Am 29. Oktober 1848 ehelichte er zu Frankenstein, Henrietta Emma, Katharina Sandel aus St. Arnual (18.). Das Paar hatte 9 Kinder. Der jüngste Sohn Siegmund Ritter geb. am 30. Dezember betrieb, westlich des Frankensteiner Bahnhofs, eine Gewehrschaftfabrik, deren Reste zwischen 1950 und 1960 beseitigt wurden. Ein letztes Zeugnis der Fabrik erkennt man in Form einer eisernen Tresortür, vor dem Eingang zum „Ritterkeller“. Dieser in den Berg getriebenen Felsenkeller entstand im Rahmen einer wirtschaftlichen Umorientierung des Besitzers. Das königliche Bezirksamt zu Kaiserslautern befasst sich gemäß eines Briefes an das Bürgermeisteramt Frankenstein mit „Der Errichtung einer Bierbrauerei durch den Gutsbesitzer Karl Ritter zu Frankenstein“ (13.) von 1863. Das Frankensteiner Bier erwarb sich in den kommenden Jahren einen guten Ruf. Als Bürgermeister diente C.S. Ritter der Gemeinde über 20 Jahre hinweg bis zu seinem Tode 1876. Seine Witwe Katharina Ritter versteigerte 1881: „Eine Bierbrauerei mit Mälzerei, das Frechteltaler Hofgut und ein Wohnhaus mit Wald, eine Dampfsägemühle zu Frankenstein am Bahnhof, sowie im Staatswald große Berechtigung in Holz, Rank- und Schmalzweide (25.). Die Brauerei gelangte in den Besitz von Thomas Schmidt, dessen Wirtschaft noch heute im „Landgasthof“ fortbesteht. Anzumerken sei noch, dass der Felsenkeller im 2. Weltkrieg der Bevölkerung des Dorfes als Schutzraum diente. Der Verfasser des Artikels erlebte hier den Einzug der Amerikaner 1945.

4. Unterschriften und Grabsteine der Bürgermeister

4.1 Siegesmund Friedrich RITTER (1724 – 1787)
4.2 Johann Theobald RITTER (1748 – 1831)
4.2 Carl Adolf RITTER (1794 – 1863)
4.3 Peter EYMANN (1789 – 1855)
4.4 Matthäus KURZ (1780 – 1860)
4.5 Paul KÖLSCH (1800 – 1867)
4.7. Carl Siegmund RITTER (1823 – 1876)

5. Nachtrag

Mein Dank gilt all denjenigen, welche mir bei der Gestaltung der Abhandlung mit Rat und Tat zu Seite standen.
Es sind: Frau Edith Lellbach, Kaiserslautern
Herr Willi Walther, Deidesheim
Herr Franz Neumer, Hochspeyer
Herr Manfred Petry, Bürgermeister zu Frankenstein

6. Literaturquellen

1. Moersch, Karl Geschichte der Pfalz
2. Mörz, Stefan Die letzten Kurfürstin
3. Ludt, Wilhelm Hochspeyer
4. Kell, Eva Das Fürstentum Leiningen
5. Kirche in Frankenstein 1871 – 1971
6. Zweig, Stefan Sternstunden der Menschheit
7. Verbandsgemeinde Hochspeyer –Standesamt
8. Hesse, Werner Hie Wittelsbach hier Pfalz
9. Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Verlag Abogast Band 18/19 von 1980/81
10. Amts- und Intelligenzblatt Jahr 1834 s. 281 ff
11. Stuckert, Weidenthal
12. Walther, Willi Lebensbeschreibung P. Eymann
13. Gemeindearchiv Frankenstein
14. Norton, Horr Genealogie Ritter
15. Leiser, Karl Bilder aus alter Zeit
16. Institut für Pfälzische Volkskunde Kaiserslautern
17.
18. Neumer, Franz Bürgerbuch Hochspeyer
19. Walther, W./Michel, G. Privatbesitz
20. Karch, Philipp Neidenfels
21. Landkreis Kaiserslautern 1968, Wagner, S. 257
22. Stiftungsurkunde „Waldfriedhof der Familie Goebels“
23. DTV-Lexikon
24. Müller, Emil Die Pfalz 1870/71
25. Ritter, Hans Joachim Die Posthalter Ritter in der Pfalz
26. Mennonitisches Lexikon Band 1
27. Ev. Landeskirchenarchiv Speyer Kirchenvorsteher und Almo senpfleger in Frankenstein
28. Landesarchiv Speyer C 26 A 197

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