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Die Diemersteiner Talmühle
1304-1820

Willi  Walther und Gerhard Michel


Das abseits an der Ost-West-Trasse vom Rhein in den Westrich, gelegene kleine Territorium Diemerstein, hatte seine Entstehung im 13.Jahrhundert.Als Angrenzer zu der Herrschaft Frankenstein nach Südwesten, auf der nordöstlichen Seite zu Limburg/Dürkheim, lag Diemerstein. ImRahmen der anhaltenden Grenzstreitigkeiten der vorgenannten Territorialherren zu Beginn des 14. bis Anfang des 17. Jahrhunderts, galten die Trennungslinien als äußerst instabil.  Aus dieser Konstellation heraus entnehmen wir einer Grenzbegehung (1304) zwischen den Kontrahenten Limburg/Dürkheim und Frankenstein .dass die Grenzen des Burgfriedens  zu Frankenstein…..“anhebt bei der Mühle unterhalb dem Schloss Diemerstein gelegen“…(LA-Sp.Best. A 1,Nr.834)

Ein  Grenzumgang von 1592 berichtet u.a. :…“nachmals bis gen Frankenstein gereist, alda in des Grafen Emich von Leiningen Bauwhoff (Hofgut ) die Küche aufgeschlagen, und das Mittagsimbiss eingenommen“…

Bei diesen Umgängen gab es stets Differenzen wegen Grenzüberschreitungen. Auch in Diemerstein wurde festgestellt, dass die Ritterfamilie Bonn von Wachenheim im Jahre 1588 eine neue Mühle auf Dürkheimer Grund und Boden gesetzt hatten.

An diese Mühle wurde 1613 ein Sägewerk angebaut , es entstand eine Mehrzweckmüle. (LA-Sp.Best.G 12,Nr.102) Bemerkenswert ist folgendes: Im Jahr 1592 wurde beim Umgang festgestellt dass die noch vor 7 Jahren  auf der Dürkheimer Gemarkung , in der Nähe der Diemersteiner Mühle, stehende Hütte eines Harzbrenners abgerissen wurde, weil nach Pfalz-und Ächterbescheid die Harzöfen durchaus vertilgt werden sollen.

Am 2.Sept.1618 verkaufte Ritter Bonn von Wachenheim und seine Frau Margarete die Burg Diemerstein mit allem Zubehör, samt der im Kaufvertrag unter Nr.6 erwähnten Mahl-und Bordmühle. Der Kurfürst Friedrich von der Pfalz zahlte 17000 Gulden für die kleine Herrschaft. Den Vertrag siegelte Bonn von Wachenheim und der Vetter seiner Frau,  Joh Cuno von Wallbrunn, einer der drei Mitbesitzer von Frankenstein.

Der 30-jährige Krieg erreichte 1620 auch das kleine verborgen gelegene Territorium von Diemerstein. Die Bedrückungen seitens der Besatzer gibt das Frankensteiner Abrechnungsdokument der Grafen von Nassau aus dem Jahre 1625 wieder. Den Wirten, also gab es mehrere im Ort ,wurden seitens der Herrschaft das Ungeld, eine Abgabe auf alkoholische Getränke, nachgelassen ,denn sie mussten von dem Sergeanten und den Soldaten ,welche in der Burg Diemerstein als Besatzung lagen , viel Beschwernis erleiden.(LA-Sp.A2,981/3,fol.1.)
Ab hier wird es still um die alte Mühle im Tal. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts kommen wieder Menschen in die verlassene Gegend um neu hier zu siedeln. Ein Mennonit, Peter Küntzi, aus dem Berner Gebiet kommend, übernimmt die verfallende Mühle. Ein mit Datum vom 9.Juli 1687 ausgestellter Erbbestandsbrief der Pfalzgräfin bei Rhein, Maria von Oranien, erlaubt Peter Küntzi die Mühle nebst den Wohngebäuden zu errichten.

Wenige Jahre später (1698) erleben wir eine weitere Veränderung der Besitzverhältnisse im Umfeld der Mühle. Die damaligen Beständer des Fischbacher Hofes , nämlich Jakob Lichti, Peter Steiner, Christian Brennemann und Heinrich Schröder übernahmen die Mühle samt allem Zubehör, letztendlich ist Jakob Steiner 1706 mit „ gnädiger gräfl. Consens“ alleiniger Besitzer der Mühle.

In der Folgezeit  deutete sich ein weiterer Besitzerwechsel an. Wann genau Jakob Steiner den Besitz an Jakob Engel d.Ä. weitergab ist nicht überliefert. Erstmals wird der neue Beständer J. Engel zusammen mit drei weiteren Bewohnern von Diemerstein 1729 im Rahmen eines Pachtvertrages erwähnt. Erst in dem Erbschaftsvergleich von 1739, der Jost Engelschen Erben, werden wir genau über die Besitzverhältnisse und das Vermögen dieser Mühle informiert. Der Sohn Jost Engel II. der die Mahl- und Sägemühle mit allen dazu gehörigen Gebäuden, Äcker und Wiesen, Vieh, Schiff und Geschirr, allen Hausrat und Mobilien zu- geschlagen bekam, zahlte nach des „ Vatters Taxation „ für die Mühle Eintausend Gulden, die übrigen „ effecten „ aber für fünfhundert Gulden. In der Mühle muss ein gewisser Wohlstand gewesen sein, denn am Schluss des Vergleichs steht folgendes, „Was ansonsten das vorräthige gedüche und Bücher anlanget, so ist solches unter die drei Erben zu gleichen Theilen vertheilet, auch wurde des Christian Weißen Ehefrau als mit Erbin Verstorbener zu deren Kindern Besten desfals ein ordentl. Inventarium errichtet, auch mithin die Theilung beschlossen worden.“

Die Mühle war bis 1810 im Besitz der Familie Engel. Als letzter männlicher Erbe galt der 1788 geb. Jakob Engel. Er sollte die Mühle vergrößern und ausbauen, doch das Schicksal wollte es anders. Plötzlich und unerwartet starb der junge Müller, gerade 22 Jahre alt geworden, in Dackenheim, wo er bei Verwandten zu Besuch weilte.

Seine Schwester Elisabeth Engel, die am 9. Juni 1810 den Ökonom Peter Eymann von der Sattelmühle bei Langmeil heiratete, mussten den gerade übernommenen Wackenborner Hof bei Höringen wieder aufgeben. Das junge Paar verkaufte den dortigen Hof und begab sich zurück nach Diemerstein um die alte Talmühle zu übernehmen.

Eymann ein innovativ denkender Unternehmer, ihm war die ganze Anlage im Tal zu klein,  plante insgeheim am Zusammenfluss von Glas- und Diemersteinerbach eine neue Mühle zu bauen, eine mit drei Mahlrädern, einem Mahlgang für Getreide, einem für Ölfrüchte und einem Gang für die Bordmühle.

Die Genehmigung dazu wurde ihm am 21. April 1821 erteilt. Nach der Geburt seiner Tochter Elisabeth 1828,  starb die Gattin im Kindbett. Mit Susanne Goebels aus Hertlingshausen , die er 1828 heiratete fand Peter Eymann eine Mutter für die Tochter und eine Frau, die es ihm ermöglichte mit ihrer Mitgift von 4000 Gulden, seine geheimen Gedanken und Pläne zum Neubau einer größeren Mühle, durchzuführen. Mit dieser Verlegung des Mühlenstandortes wurde es ruhig am alten Mühlbach im Glasbachtal. Das geschäftige Treiben um das sich seit dem Mittelalter her drehende Mühlrad  hatte ein Ende gefunden.  

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