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Die Leinenweber und der Eisenbahn-Ingenieur - Ursprünge der Villa Denis (Willi Walther und Gerhard Michel)

Als am 02. Januar 1792 Jakob Engel d. Ä. zusammen mit seinem Sohn Jakob Engel d. J. die Besitzungen am Diemersteiner Schlossberg, im Rahmen eines Erbbestandsbriefes übernommen hatten, ahnte noch niemand die epochalen Veränderungen, welche innerhalb der nächsten fünf Jahrzehnte die Lebensverhältnisse in dem stillen Waldtal grundlegend verändern würden. Das Dokument (in Privatbesitz) erlaubte der Leinenweberfamilie Engel den Bau einer neuen Weberei mit Wohnhaus unterhalb der Burgruine Diemerstein.

Villa Denis
Bild 1. Die Weberei von Jakob Engel um 1820

Das hier seit bereits 100 Jahre stehende Gebäude war ruiniert und baufällig. Mit Einwilligung ihres Grundherren, dem Grafen von Wartenberg, durften die Leinenweber das benötigte Bauholz unentgeltlich dem herrschaftlichen Wald entnehmen. Als Begründung, so die Bittschrift, „ dass die alte Wohnung auch berührter Maßen höchst ruinös – und vollkommen ohnbewohnbar ist, dazu auch mittels Brechung der Steinen unserer Seite bereits würkliche Anstalt getroffen, und die ursprüngliche Erbbestandsgerechtsame auf uns durch unverwerfliche Urkunden übertragen worden...“(F. Weber, Graf Ludwig von Wartenberg S.133)

Die umgestalteten Gebäude mit der Weberei, sowie die damit verbundene Landwirtschaft, verbleiben bis zum Tod von Jakob Engel im Jahre 1846, in Besitz der alten Mennonitenfamilie. Dieser fand die letzte Ruhe auf dem kleinen Friedhof unweit seiner Hausstelle. Seine Witwe Elisabeth Engel, geb. Jotter verkaufte am 18. Februar 1848 das gesamte Areal am Diemersteiner Schlossberg mit Burgruine. Die Leinenweberfamilie verließ kurz darauf das Diemersteiner Tal mit unbekanntem Ziel. Dokumentiert ist der Güterwechsel in den Umschreibebücher B2und B3 der Gemeinde Frankenstein. (Bestand im LA.SP L 57, Nr. 2208 und 2209) In diesen Folianten wird der Besitz des Jakob Engel, Leinenweber in Diemerstein Haus Nr. 5, erwähnt. Total des ursprünglichen Besitzstandes im Jahr 1836 lautet im Kataster Seite a, Nr. 176, über 13 Tagwerke und 98 Dezimalen. Laut Eintragung ging der Besitz an: Paul Denis, Kreisbaurat in Speyer. Er erwarb die Domäne einschließlich der Burg, laut Akt des Notars Böcking, Kaiserslautern vom 18. Februar 1848 zum Preis von 3000 Gulden. Mit dem Kauf erwarb Denis die Hälfte des Diemersteiner Friedhofs am Schlossberg. Mieteigentümer waren Peter Eymann und sein Schwiegersohn Christian Goebels. Anmerkung: Die Weberfamilie legte zusammen mit der Müllerfamilie Engel anno 1783 den Mennonitenfriedhof im Glastal an.

Im Herbst des gleichen Jahres (1848) besuchte im Rahmen einer erfreulichen Fußreise Dr. Heinrich Hoffmann, Vater des Struwwelpeters die Rheinpfalz. Um dem Geheul der Heuler und dem Gewühl der Wühler zu entgehen, kam ich am 14. September 1848 auf die reizende Duodezburg Diemerstein, wo ich glücklich schrieb und las, es ist ein Juwel..., ich möchte wohl gerne nochmal hin (Ausschnitt eines unbekannten Zeitungsartikels).

Villa Denis
Bild 2. Die Duodezburg Diemerstein (Repro Peter Mossmann)

Zu diesem Zeitpunkt war der Frankensteiner Bahnhof fast fertiggestellt. (Rechnungsbuch der Holzhandlung Ritter und Eymann). Rund um die Burg Diemerstein herrschte scheinbar noch Ruhe und Frieden, eine Idylle wie sie vom Struwwelbpeter-Vater erlebt wurde.

Der Beginn der Umgestaltung der von der Familie Engel verkauften Domäne fällt in die Jahre 1848/49. Der Bau der Ludwigsbahn nach Bexbach ging seinem Ende entgegen. Freiwerdende Arbeitskräfte, vor allem geschickte Steinmetze, trieben den Bau des Landhauses, gleichzeitig mit den umfangreichen Umbauten die die Burg erfuhr, voran. Rechtzeitig zur Eröffnung der Bahnstrecke Frankenstein – Kaiserslautern (02. Dezember 1848) wurde der Bahnhof am 16. November vollendet. Die Bahnhofsuhr wurde bereits am 03. November 1848 angebracht.

Villa Denis
Bild 3. Der Bahnhof zu Frankenstein (Postkarte Peter Mossmann)

Schwierigkeiten gab es an den Tunnels Schlossberg und Kehr, hier fehlte der Materialnachschub an Steinen zum ausmauern der Tunnels und zur Verschönerung der Tunneleinfahrten.

Villa Denis
Bild 4. Tunnel am Schlossberg Ostportal (Repro: Peter Mossmann)

Eiligst wurden in den Waldstücken Schlossberg und Eisenkeil, Revier Frankenstein, Steinbrüche angelegt (Mai 1848), zur Vorsorge wurden gleich drei Standorte angewiesen, um die Lieferungen der Steine in Gang zu bringen. Gleichzeitig wurde für den Transport der Steine ins Tal ein Schlittenweg errichtet. Die Steinbrüche im Gemeindewald Weidenthal kamen für dieses Vorhaben nicht in Frage, da sie zu weit weg waren, und ohnehin die darin gebrochenen Steine für den Germersheimer Festungsbau bestimmt waren.

Mit Fertigstellung der Villa 1849/50 – die Schlosswiese Plan Nr. 987, 3097 qm erwarb Denis erst am 11. Dezember 1852 von Posthalter Ritter für 800 Gulden, um diese 1853 in einen Park umzugestalten – sicherte sich Paul Denis mit Zukauf (1853) des Grundstückes Plan Nr. 1005 1/3 am Bollerbrunnen, die Rechte an einer eigenen Wasserleitung. Der Erwerb von weiteren Immobilien, im Diemersteiner Tal durch Paul Denis, lassen sich anhand der Umschreibebücher belegen.
Plan Nr. 1012 Wohnhaus Nr. 10, Stall und Hof - 11 Dezimale
Plan Nr. 1017 Garten mit Acker und Oedung - 87 Dezimale
Plan Nr. 1006 Wohnhaus Nr. 7, Stall und Hof - 05 Dezimale
Plan Nr. 1013 Acker in der Ortsflur - 1 Tagwerk 69 Dezimale
Plan Nr. 1020 allda - 63 Dezimale
Plan Nr. 1005a Wies im Ortsflur - 78 Dezimale
Plan Nr. 1005b Wies Diemersteiner Tal - 14 Dezimale

Diese Immobilien wurden laut Akt vor Notar Böcking vom 19. Juni 1854 von Catharina Strohm, Ehefrau von Heinrich Zumbach um 1600 Gulden verkauft. Insgesamt erwarb Paul Denis 17 Grundstücke in Diemerstein. Welche Absicht hinter den Aufkäufen steckte lässt sich nur vermuten. Das ganze Tal als Besitz hätte die Umgebung des Landhauses merklich aufgewertet.

Allzu lange durfte sich Paul Denis an seinem, im klassizistischen Stil errichteten Landhauses, nicht erfreuen. Einer der Höhepunkte dieser nur kurz, bis Ende 1855 währende Ära, war der Besuch König Ludwig I. von Bayern der mit seiner Familie am 30. Aug. 1852 im neuerrichteten Landhaus Einkehr hielt. In seiner Begleitung reisten der Erbherzog von Hessen – Darmstadt mit seiner Gemahlin Mathilde sowie der gesamte Verwaltungsrat der Eisenbahngesellschaft. Kurze Zeit später honorierte der Bayernkönig die Leistungen seines genialen Eisenbahningenieurs mit der Verleihung des Bayrischen Kronenordens, dadurch wurde aus dem Direktor Denis ein adeliger Herr von Denis.

Es war wohl eine berufliche Umorientierung die in dem frisch geadelten Eisenbahningenieur den Entschluss reifen ließ, das versteckt in einem Seitental des Pfälzerwaldes liegende Kleinod, heute nach seinem Erbauer Villa Denis genannt, zu verkaufen.

Villa Denis
Bild 5. Villa Denis um 1854

Der Landsitz fand in dem aus Mannheim stammenden Bankier Seligmann Wolf Ladenburg, einen neuen Besitzer. Der vermögende Großbürger galt als einer der Hauptaktionäre der „Bayerischen Eisenbahngesellschaft der Pfalz.“ Für die Errichtung der Bahnlinie „Bexbach-Rheinschanze“ gab ein Konsortium die Zeichnung von Aktien in Höhe von 5 ½ Millionen Gulden frei. (Die Pfälz. Eisenbahnen, Willi Niedermeier, S. 6). Ein Dokument aus dem Bestand des Landesarchivs in Speyer mit Datum vom 03. Dezember 1855 manifestierte die Eigentumsübertragung dahin gehend, dass Paul von Denis und seine Frau Henriette geb. Vautrot, den Besitz an Seligmann Wolf Ladenburg zu einem Preis von 30.000 Gulden verkauften. (LA.- SP. Best. K 33, Nr. 43).

Zum letzten Male wechselte die historische Villa im Januar 2008 den Besitzer. Die Stiftung der Technischen Universität Kaiserslautern übernahm die gesamte Immobilie bestehend aus der Villa, dem Park und der Burgruine Diemerstein.

Villa Denis
Bild 6. Villa Denis im Jahr 2007 (Foto Franz Neumer)

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