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Das Wappen der Ritter von Frankenstein (Gerhard Michel und Willi Walther)

Die Wappen der jeweiligen Rittergeschlechter führen ihre Entstehung zurück in das Mittelalter des 12. Jahrhunderts, die Zeit der Kreuzzüge. Farbliche sowie symbolische Kennzeichnungen auf dem Schild gaben dem Kundigen Auskunft über Herkunft des Ritters, sowie dessen kämpferischen Qualitäten in den allgegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen dieser Zeit. Viele der ritterlichen Schildbemalungen überdauerten die Jahrhunderte und sind heute in den Wappen kommunaler Körperschaften wiederzufinden.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 1. Wappen der Gemeinde Frankenstein (Ldr. Kaiserslautern)


Der hiesige Gemeinderat erwirkte mit Datum vom 02.11.1926 beim bayerischen Innenministerium zu einem, von dem Heraldiker Prof. Otto Hupp neugestalteten Gemeindewappen. 1) Er beschreibt dieses wie folgt: In Blau eine aufsteigende, eingebogene rote Spitze, worin auf einem grünen Dreiberg eine silberne Burg steht, darüber: vorne ein goldener Querbalken, hinten 2 : 1 silberne Rauten. In seiner Erscheinungsform geht das heutige Wappen auf ein älteres rundes Frankensteiner Gerichtssiegel aus dem Jahr 1743 zurück.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 2. Gerichtssiegel des Dorfes Frankenstein aus dem Jahr 1743 (Landesarchiv Speyer Best. A 2/18, fol. 204 V).


Ein weiteres, etwas jünger datiertes Gerichtssiegel dessen Entstehung in das Ende des 18. Jahrhundert fällt, ist im Besitz des Historischen Museums in Speyer. Augenfällig ist die ovale Form dieses Exponats.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 3. Ovales Gerichtssiegel des Dorfes Frankenstein. (Foto: Peter Haag-Kirchner, Historisches Museum der Pfalz, Speyer). (3)


Der Kath. Pfarrer Michael Frey erwähnt dieses Siegel in seiner Beschreibung des königlichen bayrischen Rheinkreises bereits 1837. Das Gericht Frankenstein führt im Siegel eine, auf Felsen stehende Burg an deren einem Eck die drei wallbrunnischen Steine angebracht waren. Die an dieser Stelle erwähnten – drei wallbrunnischen Steine (Rauten) – gaben Anlass zu Kontroversen Interpretationen. Während Otto Hupp, der Gestalter des Wappens, die drei Rauten klar dem Wappen der Herren von Wallbrunn zuordnete (1), stellt Helmut von Jan (4) sowie K. Debus (5) diesen Sachverhalt in Frage. In der Darstellung des Frankensteiner Gerichtssiegels von 1743 stehen die drei Rauten in ein über zwei Position übereinander. Das Wappen der Junker von Wallbrunn positioniert die charakteristischen Rauten in zwei über eins Stellung. Ein Widerspruch der nicht gänzlich zu klären ist. Neben dem Gerichtssiegel gab es für die Gemeinde Frankenstein ein weiteres erwähnenswertes Siegel, das der königlich bayrischen Post zu Frankenstein um 1828/30.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 4. Postsiegel um 1830 (Foto privat)


Die erst 1946 endende Zugehörigkeit der Pfalz zu Bayern wird erkennbar in einem Siegel aus dieser Zeit.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 5. Gemeinde Frankenstein Bayern


Dieses Siegel unterscheidet sich nur in der Umschrift gegenüber dem heute verwendeten Gemeindesiegel. In Abwandlung zur Darstellung des von O. Hupp dargestellten schildförmigen Wappens erfährt dieses Siegel eine optische Aufwertung. Die geschwungene Formgebung der äußeren Linien erinnert an die prächtigen Wappen des Mittelalters.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein
Das Wappen der Ritter von Frankenstein
Bild 6. Siegel der Gemeinde Frankenstein 6/1. Kolorierte Darstellung


Einer der örtlichen Vereine, „ Der Lauftreff Schliertal e.V.“, übernahm das historische Motiv in den vereinseigenen Stempel.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 7. Abdruck des Vereinsstempels.


Wie in dem kolorierten Bild Nr. 6/1 dargestellt, steht eine zweitürmige silberne Burg auf einem grünen Dreiberg, darüber rechts im blauen Feld die in 2:1 stehenden drei silbernen Rautensteine. Das linke obere Feld führt weit zurück in die Vergangenheit. Möglicherweise trug schon der1146 erwähnte Helenger de Franckenstein (6) einen blauen Schild mit einem goldgelben Querbalken. Diese seine Farben hätten somit fast neun Jahrhunderte überstanden und waren eng mit der Siedlungsgeschichte unseres Dorfes verbunden. Die Suche nach Hinweisen zum Wappenschild der Ritter von Frankenstein /Pfalz führte in die Universitätsbibliothek nach Hamburg. Hier hat ein mittelalterliches Wappenbuch die Zeiten überdauert. Dieses Buch beinhaltet 593 kolorierte Wappendarstellungen adeliger Herren. (7) Die darin gemalten Schilde könnten in der Hochgotik, um das Jahr 1400, im Elsass entstanden sein. Das Buch befand sich im 18. Jahrhundert in Privatbesitz. Bei dem Eigentümer handelte es sich um Zacharias Conrad von Uffenbach, geboren 1683 in Frankfurt, als Sohn einer angesehenen Juristenfamilie. Er selbst studierte Jura in Straßburg und Halle. Er war ein Bildungsbürger der Reisen nach England und in die Niederlande unternahm. Seine große Leidenschaft galt dem Sammeln von Handschriften, Büchern und Antiquitäten. In seiner Heimatstadt Frankfurt hatte er im Jahre 1723 das Amt des 2. Bürgermeisters inne. Nach seinem Tod 1734 gelangte das für die Vergangenheit von Frankenstein so bedeutsame Buch, nach Hamburg. Sein Titel lautet „ Das Uffenbachsche Wappenbuch“. (Cod. 906 in scrino, Pavaraici, Werner) (12)

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 8. Rekonstruktion des in der Wappensammlung dargestellten Wappens der Herren v. Frankenstein


Die Originaldarstellung auf dem Konvolut 3 von 3 Bl. 69v – 88v zeigt unter Nr. 70 r,a das Wappen „Der Herren von Frankenstein“, mit einem goldenen Querbalken in der Mitte eines blauen Schildes. Im erweiterten Umfeld sind weitere Wappen rheinischer Adeligen abgebildet u.a. der Schild der Grafen von Leiningen, Nr. 66v, a, den Lehensherren der Frankensteiner Ritter. Anlass zu Irritation gibt die weitere Abbildung eines Wappens mit der Überschrift „Die Herren von Frankenstein“, (Nr 70v, ). Dieses gleichnamige Rittergeschlecht lebte auf seiner Stammburg an der Bergstraße bei Darmstadt. Die Namensgleichheit der beiden Adelsfamilien führte in der diesbezüglichen Literatur des 19. Jahrhunderts teilweise zu Fehlinterpretationen bis hin zu fehlerhaften Stammbaumangaben. Das markanteste Unterscheidungsmerkmal der beiden Rittergeschlechter ist im Aufbau ihrer Wappenschilde zu erkennen. Der Schild der Ritter von der Bergstraße ist mit einem roten Beil auf goldenen Grund bemalt und somit gut von dem blau-gold der Pfälzer Ritter zu unterscheiden.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 9. Das Wappen der Ritter von Frankenstein /Bergstraße.


Eine mit freundlicher Unterstützung des LA-Saarbrücken durchgeführten Recherche bestätigte das Wappen der Ritter von Frankenstein. Im Bestand: Nachlass Hoppstädter, befinden sich 5 Bände mit Notizen zu Adelsgeschlechtern im Saarland und angrenzenden Gebieten mit Personenregister.

In Band II (NL. Hoppstädter 86), S. 95 findet sich ein kurzer Hinweis auf das früh ausgestorbene Geschlecht von Frankenstein / Pfalz und deren Wappen, goldener Balken im blauen Schild.

Nach dem die Herkunft der blau – goldenen Schildfarben im Gemeindewappen geklärt ist, stellt sich die reizvolle Aufgabe das Siegel der Ritter v. Frankenstein /Pfalz einer Bewertung zu unterziehen. Da die mittelalterliche Kriegerkaste meistens weder lesen und schreiben konnte, benutzten sie ihr persönliches Siegel um Dokumenten Gültigkeit zu geben. Die Nachforschungen die mit der Suche nachdem diesbezüglichen Siegel einhergingen gestalteten sich sehr schwierig, da diese als mittelalterliche Kleinode geltend, oftmals von der eigentlichen Urkunde abgetrennt wurden und in Privatarchiven verschwanden. Eine umfangreiche Sammlung dieser Art hatte Franz Joseph Bodmann in seiner Handschrift beschrieben (8). Eine diesbezügliche Recherche im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt führte zum Erfolg. Das dortige Archiv stellte uns eine Papierkopie vom Siegel des Johannes v. Frankenstein zur Verfügung. (Signatur C1D Nr. 58). Dort befindet sich auf Blatt 33v unter Siegel Nr. 28 eine Handzeichnung Bodmanns, allerdings ohne weitere Beschreibung. Ein kurzer Hinweis unter der Darstellung erwähnt dass es sich um Johann von Frankenstein, einen Lehensmann des Bischofs von Speyer (Heinrich von Leiningen) aus dem Jahr 1268 handelte.

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 10. „Sigellum nobilis Johannes von Frankenstein“.


Das Siegel könnte von einer bei Malottki (14) beschriebenen Urkunde Regeste Nr. 333 (Rheinpf. Urkunden LA – Sp, A1 Nr. 1059) stammen.

Der in normannischer Form nach unten spitz zulaufende Schild wird in der Mitte von einem farblich nicht zuordenbaren Querbalken in zwei Teile getrennt. Die Umschrift in Großbuchstaben (Majuskel) fand bis Mitte des 14. Jahrhunderts Verwendung. (9) Resultat einer Recherche im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München zum Siegel der Ritter von Frankenstein führte zu insgesamt neun Fundstellen zum vorgegebenen Thema. Im Bestand vom Staatsarchiv zu Würzburg sind acht Urkunden mit teilweise erhaltenen Siegeln zu finden. Bei deren genauer Überprüfung ist leider festzustellen, dass es sich dabei um die Ritter von der Bergstraße handelt. Lediglich eine Fundstelle führt zu einem für Frankenstein /Pfalz bedeutungsvollen Ergebnis. Im Geheimen Hausarchiv des Hauses Wittelsbach lagert im Bestand: Mannheimer Urkunden, Baden C 34 ein Dokument mit Siegel aus dem Jahr 1291, das einen Johannes von Frankenstein erwähnt. Der authentische Siegelabdruck gilt bis dato als die Einzige erhaltene Originaldarstellung . Die Urkunde an der das Siegel hängt trägt das Datum, Heidelberg 9. Aug. 1291. Der Fund rechtfertigt im Nachhinein die historische Darstellung im heutigen Gemeindewappen. (15)

Das Wappen der Ritter von Frankenstein

Bild 11. Siegel des Edelherren Johannes von Frankenstein 1291. (BayHStA, GHA, Mannheimer Urkunden, Baden C 34)


Einen letzten Hinweis zum Thema erwähnt einen Eberhard Herr zu Frankenstein, er verlieh dem Mann seiner Schwester, Walter von Brucken, seinen Hauptteil an Haus und Burg Lindenberg. (10) Das stark beschädigte Siegel zeigt einen Schild mit einem Querbalken. Vieles deutet darauf hin, dass Eberhard der Letzte aus dem Geschlecht der Frankensteiner war. (9) Weiterhin war bis ums Jahr 1827 in L.A. Darmstadt ein Metallabguss des Siegels einer Adelheid von Lindenberg erhalten die mit Johann dem Jungen Herr zu Frankenstein vermählt war und im Jahr 1310 eine Urkunde des Klosters Eußerthal ausstellte. Die Legende lautet: „ S. Due Adelheidis, de Franckenstein“. (9) Laut Information des Hessischen Staatsarchiv Darmstadt ist dieses Siegel dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen. Ein schmerzlicher Verlust für die Gemeinde Frankenstein. Um die genannte Jahreszahl 1310 als Ausstelldatum gab es eine kontroverse Diskussion. W. Möller glaubt beweisen zu können, dass Adelheid und Johannes von Frankenstein bereits im Jahre 1304 verstorben waren. (11) Inwieweit man seinen Einwänden Folge leisten könnte, ergäbe eine genauere Betrachtung der in Würdtwein monast. Palat. III. S. 397 bis 400 abgedruckten Urkunden.
Vieles spricht dafür, dass die Frankensteiner Ritter bereits vor 1345 ausgestorben waren, dass aber ein weibliches Mitglied der Familie ihre Brüder um etliche Jahrzehnte überlebte. Auch in diesem Fall wurde ein Siegel zur Beweisführung herangezogen. Mit Datum vom 29.06.1320 findet eine Sara von Frankenstein als Gemahlin Gottfried des Älteren von Bickelbach Erwähnung: Ihr Siegel trägt die Legende „ S. Domine Sare Uxoris Dni Gotfridi De Bickelbach“ und enthält eine Frauengestalt, die einen geteilten Schild trägt, dessen rechte Hälfte von einem Querbalken geteilt wird. W. Möller erwähnt dazu, Sara von Bickelbach (Frankenstein) muss ein hohes Alter erreicht haben, sie lebte 1360 noch und war wohl die Letzte ihres Geschlechtes. (2)

Nachträglich zu erwähnen wäre noch das Wappen der Ritter von Strahlenberg. Die Darstellung zeigt einen roten Pfeil auf goldenem Schild. (12) (Uffenbachsche Wappenbuch, Nr. 68 v.a). Die Geschlechter von Strahlenberg und von Frankenstein waren seit Mitte des 13. Jahrhunderts verwandtschaftlich verbunden, Agnes von Strahlenberg wurde 1329 als Witwe des Johann von Frankenstein bezeichnet. (13)

Quellenverzeichnis

Allen hier genannten Archive und Museen möchten wir unseren herzlichsten Dank zuteil werden lassen für ihre Unterstützung und Mitwirkung.

1.) Hupp, Otto, Wappen im Freistaat Bayern, Kreis Pfalz S. 370
2.) Möller,Walter. Urk. Gesch. d. Edelherren v. Bickelbach. Archiv für hessische Geschichte Bd. XVI. S. 116
3.) Historisches Museum Speyer, Nr. HM-O-2406
4.) Von Jan, Helmut, Wappen der Pfalz, S. 71
5.) Debus, K. Wappenbuch der Pfalz, (Wappen 402)
6.) LA. SP. Rheinpfalzische Urkunden Nr. 1402
7.)
8.) Mayer, Kurt, Das Wappen der Edelherren von Frankenstein, „Deutscher Herold“, Jahrgang 1927, Nr. 7+8
9.) Seyler, Gustav, Geschichte der Heraldik, Nürnberg 1885 – 1889
10.) LA Sp.Best. Rheinpfalz-Urkunden Nr. 3174
11.) Möller, Walter, Die Ritter von Frankenstein, Deutscheer Herold, Jahrgang 1928, Nr. 7, S.100
12.) „Das Uffenbachsche Wappenbuch“ Hamburg Universitätsbibliothek
13.) Heintz, Adel, LA.Sp. Best. T 3, Nr. 255 - 259, S. 680, Ahnentafel von Strahlenberg
14.) Malottki, von Hans. Heinrich von Leiningen, Bischof von Speyer und Reichskanzler, Reg. Nr. 333
15.) Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geheimes Hausarchiv, Mannheimer Urkunden C 34

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